Matthias Preuss, M.A.

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Universitätsstr. 105
44780 Bochum
Raum: UNI 105, 3/26

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E-Mail: matthias.preuss@rub.de

 

 


Titel der Dissertation

Anomalien. Literatur und Ökologie 1866-1900


Projektbeschreibung

Im Mittelpunkt der Dissertation steht die Frage nach der Dokumentation ökologischer Probleme und der Darstellung ökologischen Wissens in literarischen und biologischen Texten der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts. Das Forschungsinteresse gilt einerseits den poetischen Operationen der Herstellung dieses Wissens und seiner medialen Formatierung innerhalb des ökologischen Diskurses und andererseits den Formen, in denen dieses Wissen in der Literatur zum Maßstab dokumentarischer Praxis wird.

Aus medientheoretischer Perspektive soll der Zusammenhang zwischen realistischen Poetologien, naturwissenschaftlicher Evidenz und dem Dokumentarischen in Bezug auf die Konstruktion von Natur und den künstlerischen und technischen Zugriff auf Natur untersucht werden.

Aus literaturgeschichtlicher Perspektive wird mit der Arbeit eine doppelte Leerstelle adressiert. Erstens geht es im germanistischen Kontext darum, Texte des Realismus und Naturalismus aus dem Untersuchungszeitraum 1874 – 1899 unter ökokritischen Gesichtspunkten zu lesen. Zweitens besteht der Beitrag im Feld des Ecocriticism als ökologisch orientierter Literatur- und Kulturwissenschaft darin, deutschsprachige literarische Texte (im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen und philosophischen) zum Gegenstand der Forschung zu machen und darüber hinaus Texte aus einer Zeit zu untersuchen, die bisher in diesem Kontext nur wenig berücksichtigt wurde.

Aus wissensgeschichtlicher Perspektive wird ein Lebenswissen in den Blick genommen, das nach dem Auftauchen des Begriffs ‚Ökologie‘ (1866) in wissenschaftlichen und künstlerischen Diskursen vorliegt. Die Entstehung der Ökologie steht in einem klärungsbedürftigen Verhältnis zur Evolutionsbiologie. Weiterhin ist die Reaktivierung älteren naturgeschichtlichen Wissens von Interesse. Durch die fortschreitende Verwissenschaftlichung der Ökologie im Zeichen der Systemtheorie und Kybernetik in der ersten Hälfte der 20. Jahrhunderts, die noch die aktuelle ökologische Debatte prägt, wird das ‚alte‘ ökologische Wissen zunehmend verdeckt. Dieses Wissen soll in dieser Arbeit wieder freigelegt werden.

Aus systematischer Perspektive sind drei Punkte relevant. Erstens geht es darum, die Bedeutung einer philologischen Lektüre, der es nicht vorrangig darum geht, was gesagt wird, sondern vor allem darum, wie es gesagt wird, über disziplinäre Grenzen hinaus zu unterstreichen. So liefert die Arbeit auch einen Beitrag zum Theorie- und Methodensetting der Environmental Humanities, in denen besonders im Zusammenhang mit dem Klimawandel verstärkt Fragen der Darstellung und Darstellbarkeit, der Narration und Figuration, diskutiert werden. Zweitens geht es um eine Kritik der politischen Ökologie der Gegenwart und zwar gerade durch einen Umweg über das historische Material. Und drittens geht es um den Versuch einer Übersetzung von Ansätzen und Einsichten des amerikanistisch und anglistisch geprägten Ecocriticism in die Germanistik.


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit 10/2016: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2014 – 08/2016: Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Andrea Allerkamp am Lehrstuhl für Westeuropäische Literaturen der Kulturwissenschaftlichen Fakultät, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
  • 09/2013– 06/2014: Teaching Assistant und Visiting Graduate Student am German and Roman Languages and Literatures Department, The Johns Hopkins University, Baltimore, MD (USA)
  • 10/2010 – 08/2013: Masterstudium „Literaturwissenschaft: Ästhetik – Literatur – Philosophie“ (Forschungsmaster), Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)

Publikationen

Herausgeberschaften

  • Allerkamp, Andrea/Preuss, Matthias/Schönbeck, Sebastian: Unarten. Kleist und das Gesetz der Gattung, Bielefeld: transcript 2017 (in Vorbereitung).

Aufsätze

  • Preuss, Matthias: „Zur Ordnungswidrigkeit der Dinge. Linnés marginale Monstrosität(en) und das kalligrammatische Verfahren“, in: Förschler, Silke/Mariss, Anne: Akteure – Tiere – Dinge. Verfahrensweisen der Naturgeschichte, Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2017 (im Druck).
  • Preuss, Matthias: „The In/visible Stag. An Ovidian Sabotage of Descartes’ Anthropological Machine“, in: Stella, Marco/Gibas, Petr/Pauknerová, Karolína: Non‐humans and after in Social Science, Červený Kostelec: Pavel Mervart 2016, S. 117-127 (im Druck).
  • Preuss, Matthias/Schönbeck, Sebastian: „Abnorme Paarungen versuchen. Naturgeschichtliche Betisen in Flauberts Bouvard und Pécuchet“, in: Anderson, Sage/Edinger, Sebastian/Heller, Jakob: Übergänge. Würzburg: Königshausen und Neumann 2016 (in Vorbereitung).
  • Preuss, Matthias: „Narrative Prellschüsse. Die spielerische Suspension allen theoretischen und kriegerischen Ernstes in ›Unwahrscheinliche Wahrhaftigkeiten‹“, in: Kleist‐Jahrbuch (KJb) 2016, S. 126-141.
  • Preuss, Matthias/Schönbeck, Sebastian: „Bêtes Studies: Flaubert’s and Balzac’s Lessons in Natural History“, in: Journal for Literary Theory 9,2 (2015), Sonderheft Cultural and Literary Animal Studies, hrsg. v. Roland Borgards, S. 250-270.
  • Preuss, Matthias: Pferche. Der Gemeinplatz als Lebensraum“, in: Tierstudien 6 – Tiere und Raum (2014), S. 108-117.

Vorträge

  • „How to Disappear Completely? The Poetics of Extinction“, gehalten im Oktober 2016 im Rahmen des internationalen Symposiums “Texte, Tiere, Umwelten. Zoopoetik und Umweltpoetik”, Schloss Herrenhausen, Hannover.
  • „Mangelerscheinungen. Zu den politischen und ökologischen Randbedingungen imaginärer Inseln“, gehalten im Juli 2016 im Rahmen der Ringvorlesung „Begrenzung. Zu Aktualität und Perspektiven einer Wissensordnung der Kulturwissenschaften“, Europa‐Universität Viadrina, Frankfurt (Oder).
  • „The Erosion of Genre. Slow Death as Form of Life“, gehalten im März 2016 im Rahmen des ALCA Annual Meetings 2016, Sektion: “Zoopoeticvs: Forms of Life”, Harvard University, Cambridge, MA, USA.
  • „Gräuel entdecken. Demonstrationen im Käthchen“, gehalten im September 2015 im Rahmen der Tagung „Unarten. Kleist und das Gesetz der Gattung“, Kleist-Museum, Frankfurt (Oder).
  •  „Die Ordnungswidrigkeit der Dinge. Carl von Linnés marginale Monstrosität(en)“, gehalten im Juni 2015 im Rahmen der Tagung „Akteure, Tiere, Dinge. Verfahrensweisen der Naturgeschichte“, Ottoneum, Kassel.
  • „Spinning Theory. Arachne’s Traces and the Entanglement of Zoopoetics“, gehalten im März 2015 im Rahmen des ACLA Annual Meetings 2015, Sektion: „What is Zoopoetics?“, Seattle, WA, USA.
  • „Fallen & Fehlen: Der poetologische Einsatz in Unwahrscheinliche Wahrhaftigkeiten“, gehalten im Oktober 2014 im Rahmen des 4. Wissenschaftliches Kleist‐Kolloquium, Kleist-Museum, Frankfurt (Oder).
  • „Abnorme Paarungen versuchen. Naturgeschichtliche Betisen in Flauberts Bouvard et Pécuchet“, gehalten im September 2014 zusammen mit Sebastian Schönbeck im Rahmen der Abschlusstagung des DFG‐Graduiertenkollegs „lebensformen + lebenswissen“ zum Thema „Übergänge“, Literaturwerkstatt, Berlin.
  • „Inhibited Animotion: The Twofold Character of a Commonplace”, gehalten im März 2014 im Rahmen des ACLA Annual Meetings 2014 zum Thema “Capitals” Sektion: „Traffic in Animals”, New York University, New York City, NY, USA.
  • „An in/visible stag. Reapproaching Descartes with Agamben“, gehalten im November 2012 im Rahmen der internationalen Nachwuchstagung „Non‐human in Social Science III: Past Trajectories ‐ Future Prospects”, Universita Karlova, Prag, Tschechien.

Lehrveranstaltungen

  • Sommersemester 2016: „Robinsonades. The (Im)Possibility of Islands and the Phantasm of Insulation“, BA‐Seminar, Einführung Literaturwissenschaften/Kulturwissenschaften (englischsprachig), Europa‐Universität Viadrina
  • Wintersemester 2015: „Oikos – Logos – Kritik. Ecocriticism zur Einführung“, BA‐Seminar, Einführung Literaturwissenschaften/Kulturwissenschaften (im Writing Fellow Programm), Europa‐Universität Viadrina
  • Sommersemester 2015: „Katastrophen. Desaströse Literatur und der apokalyptische Ton“, BA‐Seminar, Vertiefung Literaturwissenschaften/Kulturwissenschaften, Europa‐Universität Viadrina
  • Wintersemester 2014: „Zoopoetik. Zur literarischen Produktion und Produktivität des Nichtmenschlichen“, BA-Seminar, Einführung Literaturwissenschaften/Kulturwissenschaften, Europa‐Universität Viadrina

Organisation von Veranstaltungen

  • Ko‐Organisation der dreitägigen internationalen Tagung „Unarten. Kleist und das Gesetz der Gattung“, 24.-26. September 2015

Sonstiges

  • Mitgliedschaften
    • Nachwuchsforscher‐Netzwerk Cultural and Literary Animal Studies (CLAS)
    • Heinrich‐von‐Kleist‐Gesellschaft
    • American Comparative Literature Association (ACLA)
    • Berliner CLAS‐Lesekreis