Vesna Schierbaum, M.A.

Universitätsstr. 105
44789 Bochum
Raum: UNI 105, 3/25

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Titel der Dissertation

Figurationen des Crowdsensing (AT)

Projektbeschreibung

Projekte des mobilen Crowdsensing aggregieren sensorische Umweltdaten, die mithilfe von mobilen und mit Sensoren ausgestatteten Devices durch Nutzer*innen produziert werden. Crowdsensing-Anwendungen dienen häufig als mobile Erweiterungen zu bereits bestehenden statischen Sensornetzwerken sowie als Brücke zur Smart City und dem Internet of Things. Ihr Mehrwert wird in der Möglichkeit gesehen, Relationen zwischen einer Vielzahl physisch voneinander unabhängig agierender Individuen und den von ihnen mit den sensorischen Devices produzierten Daten zu erfassen und somit Wissen über Umweltphänomene größeren Maßstabes zu erhalten.

Während die crowd diskursgeschichtlich ein für die Moderne zentrales Wissensobjekt darstellt, das vormals als physisch zusammenhängende Menschenmenge beschrieben wurde (vgl. Stäheli 2009), wird siein gegenwärtigen Projekten des Crowdsensingselbst zur Wissensfigur. In Innovationsentwürfen werden Medienpraktiken von einer Vielheit involvierter Nutzer*innen als nicht-interventionistische Vermittlung zwischen einer ‚rohen‘ Realität der Umwelt und den sie zum Gegenstand machenden Wissensprozessen präsentiert. Das hier dargelegte Dissertationsprojekt fragt kritisch nach ebenjenen (soziotechnischen) Wissensimaginationen, die der Technik des mobile crowdsensing zugrunde liegen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die verbreitete Verwendung sensorisch gestützter, portabler Devices nicht nur Hoffnungen auf demokratisierende Effekte kollaborativer Wissensproduktion evoziert hat, sondern zugleich auch Vorstellungen von der Instrumentalisierbarkeit der crowd als Zwischenglied zwischen Umwelt und den sie zum Gegenstand machenden Wissensprozessen.

Die Dissertation erforscht Fallbeispiele des Crowdsensingals komplexe Prozesse und Figurationen, welche die sensorische crowd in Hinblick auf ihre wechselseitige, diskursiv-materielle Verfertigung untersuchbar machen. Crowdsensing wird als kollektiver Wissensprozess verstanden, der wechselseitig durch soziotechnische Imaginationen (Doll 2014, 482), Medien – bzw. Datenpraktiken und ihre jeweiligen Diskursivierungen und Medialisierungen bestimmt wird und dasjenige, was ich als Wissensfigur crowd bezeichne, produktiv hervorbringt. Der Begriff der Figuration (Latour 2010, 94) erlaubt es, diese performative Leistung von Crowdsensing-Projekten in den Blick zu nehmen. Es handelt sich bei ihnen um Wissensprozesse, deren ästhetische Produktion durch die Akteure und Akteur-Netzwerke auf ihre figurative Adressierung der crowd als Wissensfigur befragt werden kann (Doll und Kohns 2016, 12f). Es wird dabei angenommen, dass die Praktiken der Nutzer*innengefüge in Crowdsensing-Projekten, bei denen diverse Interessenslagen, Affekte und Relationen als Modi der Partizipation konstitutiv sind, in ihrer Gänze nur durch das Prisma sich anschließender und sie aneignender Operationen von institutionellen und korporativen Akteuren beobachtbar sind. Diese sind dann umso dringlicher auf rhetorische Strategien und kommunikative Verfahren sowie auf selektiv-produktive Prozesse der Invisibilisierung und des Ausschlusses hin zu prüfen.

Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2022: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ (GRK 2132)
  • Seit April 2022: Lehrbeauftrage am Institut für Medienkultur und Theater an der Universität zu Köln
  • 01/2022 – 09/2022: Kurzzeitstipendiatin am Integrierten Graduiertenkolleg (MGK) des SFB 1187 „Medien der Kooperation“ an der Universität Siegen
  • 03/2020 – 12/2021: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medienkultur und Theater an der Universität zu Köln (Prof. Dr. Stephan Packard)
  • 10/2019 – 04/2021: Research Master-Programm an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne
  • 10/2018 – 12/2021: Masterstudium “Medienkulturwissenschaft” an der Universität zu Köln
  • 10/2014 – 09/2018: Bachelorstudium „Medienkulturwissenschaft“ und „Kunstgeschichte“ an der Universität zu Köln

Lehrveranstaltungen

  • Wintersemester 22/23: Seminar: „Umwelt Werden“, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln
  • Sommersemester 22: Seminar: „Unkontrollierbare Schwärme – gelenkte Massen. Kollektivitätstheorien des 20. Jahrhunderts“. Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

Vorträge

  • „Interaktion ohne Konsens – Grenzobjekte und Sensormedien.“ Graduiertentagung „Un:reale Interaktionsräume“, Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften, Potsdam, 04.11.2022.
  • “Wissensfigur crowd – Kollektive Wissensprozesse als Antwort auf epistemische Krisen?“ Ringvorlesung „Wirtschaft im Zeitgeschehen“. Hochschule Fresenius, University of Applied Studies, Köln, 11.06.2022
  • Mit Karl-Nikolaus Peifer: „Fragmentierte Öffentlichkeit“. Medienstudierendentagung (MeStuTa), Universität zu Köln, Köln, 13.05.2022.

Veranstaltungsorganisation

  • Mit Daniela van Greenen und Regina Wuzella: Panel „Con-testing Sensing Practices”, im Rahmen der Jahrestagung „Testing in the Wild – Publics, Practices, and Infrastructures” des SFB 1187 “Medien der Kooperation“, 20.09.2022
  • Mit Annabell Blank et al.: Kunstausstellung „Tracing Matter – Mattering Trace“, im Rahmen der Jahrestagung „Medien-Materialitäten“ der Gesellschaft für Medienwissenschaft an der Universität zu Köln, 25.09 – 28.09.2019

Sonstiges

  • Mitglied der Gesellschaft für Medienwissenschaft
  • Mitglied der wissenschaftlichen Redaktion der Zeitschrift Medienobservationen (herausgegeben von Prof. Dr. Oliver Jahraus, Prof. Dr. Stephan Packard und Prof. Dr. Bernd Scheffer)