Sarah Horn, Dr. des.

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44789 Bochum
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Titel der Dissertation

Testo-Techniken. Queere Zeitlichkeiten und Selbstdokumentation in trans* Vlogs


Projektbeschreibung

Auf YouTube dokumentieren viele Female-to-Male (FtM) trans* Personen in Video-Blogs (Vlogs) den Prozess ihrer geschlechtlichen Transition. Oft geht es in den Videos um die durch den Einfluss von medizinischen Testosteronpräparaten stattfindenden körperlichen Veränderungen. In der (audio-)visuellen Präsentation des Körpers wird die eigene Männlichkeit anhand erwarteter Effekte der Hormoneinnahme – Bartwuchs, stärkere Körperbehaarung, zunehmende Muskelmasse – ausgestellt und gleichsam beglaubigt. Die zentrale Bedeutung von Testosteron während dieses Prozesses zeigt sich nicht zuletzt in den Thematiken der einzelnen Videos: Viele zelebrieren den Tag, an dem sie zum ersten Mal Testosteron einnehmen, als zweiten Geburtstag oder ‚T-Day‘ und nehmen auch in darauffolgenden Videos explizit Bezug auf dieses Datum, indem sie die Vlogbeiträge nach den Tagen, Monaten oder Jahren ‚auf Testosteron‘ betiteln.

Das Forschungsprojekt rückt die Praxis des Vloggens und in dessen Kontext die Einnahme von Testosteron als selbstdokumentarische Praktiken in den Blick, die sich gleichzeitig der Kontrolle des Selbst zumindest teilweise entziehen. Während Testosteron in populären Diskursen als ein Hormon gerahmt wird, dessen Wirkungen beinahe ‘magisch’ erscheinen bezogen auf Verjüngung, Vermännlichung und Potenz, finden wir in trans* Vlogs auch Zweifel an diesen Gewissheiten. Testosteron wirkt nicht in jedem Körper und nicht in jedem Körper gleich. Es bringt regelmäßig ungewünschte oder unerwartete Effekte hervor oder umgekehrt bleiben erwarteten Wirkungen aus. Das Projekt nimmt die Verschränkung von Testosteron mit den Vlogs in den Blick und perspektiviert die Funktion dieser Anordnung im Prozess der geschlechtlichen Transition neu. Dieser Prozess selbst unterliegt einem massiven Dokumentationszwang seitens medizinischer, gerichtlicher und therapeutischer Institutionen, sodass trans* Vlogs bisher als eine Art selbstbestimmtem Gegenentwurf dazu beschrieben wurden. In Rücksicht auf die mit dem Einsatz der Techniken Testosteron und Vlog verbundenen Unsicherheiten müssen wir die Perspektive jedoch etwas verschieben. In diesem Sinne wird Selbstdokumentation hier nicht als Selbstverwirklichung entlang einer teleologischen Zurichtung des Körpers von einem Geschlecht zu einem anderen verstanden. Vielmehr ist, so zeigt das Projekt auf, der Zusammenhang von Testosteron, YouTube-Vlog und geschlechtlichem Selbst als ein permanentes Werden zu begreifen, das potenziell queere Zeitlichkeiten eröffnet.


Wissenschaftlicher Werdegang

  • seit 10/2020: Wissenschaftliche Mitarbeit am filmwissenschaftlichen Lehrstuhl des Instituts für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft (FTMK) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • 10/2016 – 10/2020: Wissenschaftliche Mitarbeit (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 04/2016 –  09/2016: Stipendium der Mercator Research Group „Räume anthropologischen Wissens“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2014 – 09/2015: Wissenschaftliche Mitarbeit am Vorantrag einer interdisziplinären DFG-Forschergruppe mit dem Titel „Medialisiertes Leben. Einrichtungen des Humanen seit dem 18. Jahrhundert“, Romanisches Seminar der Ruhr-Universität Bochum
  • M.A.-Studium der Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum
  • B.A.-Verbundstudium Medienkulturwissenschaft und Medienrecht an der Universität zu Köln

Publikationen

Herausgeberschaft

Artikel

Rezension

Interview


Vorträge

  • Mediated Masculinities: Visual Archives, Masculinities and Race in Contemporary Practices of Self-/Documentation | Masculinity and Body Image in the 21st Century | Birmingham City University | 03.05.2019 | gemeinsam mit Jasmin Degeling
  • „Beißkomplexe“, oder: Einwände dagegen, die Zukunft von Queer/Feminismen aufs Spiel zu setzen | Doppelpass: Lesben, Schwule & der Feminismus | Schwules Museum* Berlin | 31.08.–01.09.2018
  • „Happy T-Day“–Transmale Bodies in Self-Documentary Vlogs | NECS conference 2017 “Sensibility and the Senses” | Université Sourbonne Nouvelle – Paris 3 | 29.06.–01.07.2017
  • Mit Hormonpräparat und Webcam – selbstdokumentarische Praktiken in Trans*-Vlogs | 30. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium | Universität Hamburg | 08.–10. März 2017

Veranstaltungen


Sonstige Aktivitäten/Mitgliedschaften