Cecilia Preiß, M.A.

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Universitätsstr. 105
44780 Bochum
Raum: UNI 105, 3/24

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E-Mail: cecilia.preiss@rub.de

 

 


Titel der Dissertation

Synästhetische Medienkunst im Spannungsfeld von subjektivem Empfinden und Dokumentation


Projektbeschreibung

Längst beschränkt sich Kunstrezeption nicht mehr auf das visuelle Betrachten zweidimensionaler Abbildungen im musealen Raum: Aktuelle Medienkunst an der Schnittfläche von analoger und digitaler Welt duftet und schmeckt, bewegt, berührt und klingt. Dabei werden einzelne Sinnesreize keinesfalls isoliert voneinander aktiviert, sondern, mit dem Ziel einer multisensorisch erweiterten, ganzheitlichen Kunsterfahrung, synästhetisch gekoppelt.

Synästhesie erscheint zunächst als seltenes, heterogenes Krankheitsbild und meint die vernetzte neurophysiologische Verarbeitung simultan wahrgenommener Reize, wobei die Stimulierung einer Sinnesqualität unwillkürlich an eine oder mehrere andere sinnliche Wahrnehmungen geknüpft ist.

Als Ausgangspunkt des Dissertationsprojekts dient die wissenschaftliche und transdisziplinäre künstlerische Auseinandersetzung mit Synästhesie während der europäischen Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die besondere Wahrnehmungsform trägt hier einerseits das Stigma der diagnostizierbaren und damit womöglich auch heilbaren Geisteskrankheit und wird andererseits als ästhetischer Superlativ gefeiert, der in der Ausbildung eines spezifischen intermodalen Kunstgenres resultiert. Dieses zielt darauf ab, einem nicht-synästhesie begabten Publikum synästhetische multisensorische Eindrücke künstlerisch zu vermitteln und folglich zur Steigerung menschlicher Wahrnehmung beizutragen. Im Fokus multisensorischer Werke steht somit vor allen Dingen der flüchtige Moment individueller sinnlicher Kunstrezeption und folglich die exakte Abstimmung auf die körperliche Reaktion und subjektive Wahrnehmung der Rezipient_innen. Wenn demnach Synästhesie als künstlerische Methode in der Medienkunst Anwendung findet, gilt es mittels Artistic Research transdisziplinär entwickelte Hightech-Interfaces anzuwenden.

Neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten erprobend, umfasst der Begriff der Medienkunst im Allgemeinen eine Vielzahl heterogener Praktiken, Medien und Genres. Werke der Medienkunst weisen meist keinerlei archivierbaren Gegenstand mehr auf, beziehungsweise besitzen sie auf Grund der angewandten Medientechnik und Materialität lediglich eine kurze Halbwertszeit. Sie entziehen sich folglich permanent ihrer Sichtbarmachung und Dokumentation, streben selbige im Hinblick auf die eigene Legitimation aber paradoxerweise zugleich an.

Im Hinblick auf Fragestellungen der Dokumentierbarkeit ohnehin ephemerer Medienkunst, stellt die Synästhesie eine besondere Herausforderung dar. Findet sie Anwendung in Medienkunstwerken, so resultiert dies in einem Exzess von Sinnesreizen. Zugleich handelt es sich bei sensorischer Wahrnehmung stets um ein zutiefst subjektives Phänomen, das bezogen auf Medienkunst folglich quasi einen Entzug zweiter Ordnung herstellt. Dies wiederum verweist auf die übergeordnete Fragestellung, wie Medienkunst über den Moment der individuellen sensorischen Wahrnehmung hinaus wiederholt (museal) vermittelt, authentisch bewahrt und dokumentiert werden kann. Besonders interessiert hierbei die Tatsache, dass sich Synästhesie im Rahmen zeitgenössischer Medienkunst vermehrt an der Schnittfläche von realer und virtueller Erfahrung situiert. Zweifellos hebt die Faszinationsfigur, vor dem Hintergrund medientechnischer Möglichkeiten im Digitalen, die Fragestellung nach der Dokumentation ephemerer Medienkunst auf eine neue Ebene. Hier gilt es beispielsweise zu klären, inwieweit die Synästhesie als Eigenschaft der Medienkunst deren Dokumentation auf die Probe stellt, sie womöglich unterläuft oder umgekehrt als einen essentiellen Bestandteil der Kunstproduktion integriert. Inwieweit hier gängige Kategorien von „Original“ und „Reproduktion“ aufgehoben, künstlerische Legitimationsweisen umformuliert und Begrifflichkeiten wie „Authentizität“ in Frage gestellt werden, gilt es im Rahmen des Promotionsprojekts zu ergründen. Mit anderen Worten: Sind Performanz und Dokumentation im Rahmen synästhetischer Medienkunst überhaupt noch zu unterscheiden?


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • September 2013 bis September 2016: Masterstudium „Medienwissenschaft“, Ruhr-Universität Bochum
  • Juni 2016 bis Oktober 2016: Koordinatorin der Lehrbeauftragten am Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum
  • Mai 2015 bis Mai 2016: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medienwissenschaft an der Professur für Mediengeschichte und Kommunikationstheorie bei Prof. Dr. Stefan Rieger, Ruhr-Universität Bochum; hier im Speziellen: Mitarbeit am DFG-Projekt „Das verdatete Tier. Zum Animal Turn in der Medienwissenschaft“, Ruhr-Universität Bochum
  • September 2009 bis August 2013: Bachelorstudium „Literatur-Kunst-Medien“ und „Spanische Studien“, Universität Konstanz
  • September 2011 bis Januar 2012 / Oktober 2012 bis August 2013: Studentische Hilfskraft am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“, Universität Konstanz
  • Januar 2012 bis Juli 2012: Auslandsstudium, Università Ca’Foscari/ Venice International University, Venedig

Organisation von Veranstaltungen


Sonstiges

  • Leitung des Ensembles Wortörtlich (http://wortörtlich.de), das atmosphärische Alltagsräume literarisch erschließt