Anna Polze, M.A.

Universitätsstr. 105
44789 Bochum
Raum: UNI 105, 3/25

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Titel der Dissertation

Architektur ohne Architekten? Politik anonymer Bilder im Medium der Architektur. (Arbeitstitel)


Projektbeschreibung

Mit 156 Schwarzweißfotos von Häusern, urbanen Strukturen und Materialien aus Broschüren, anthropologischen Publikationen und Archiven militärischer Luftaufnahmen bestückte der österreichische Architekt und Theoretiker Bernard Rudofsky die berühmte Ausstellung Architecture Without Architects, die 1964 im MoMA in New York eröffnet wurde. Für die Ausstellung montierte er diese anonymen Bilder auf Schautafeln und präsentierte einen westlichen, technisch-abstrahierenden Blick auf kontextlos aufbereitete bauliche Zeugnisse fremder Kulturen, um Alternativen zur westlichen Architekturmoderne vorzustellen. Diese einflussreiche Wanderausstellung und ihr polemischer Titel bilden einen Vektor für mein Dissertationsvorhaben, das Praktiken und Politiken einer fotografischen Mobilisierung bestehender Baukultur und urbaner Umwelt im Hinblick auf zeitgenössische digitale Bildlichkeit erforscht.

Architekturbildlichkeit weder anhand des Wirkens berühmter Architekt*innen oder ikonischer Bauwerke, noch in Bezug auf Entwurfspraktiken oder historische Denkmalforschung, sondern als zeitgenössische Gebrauchsweise einer architektonischen Umgebung anzusehen, erlangt durch rezente digitale Bildpolitiken von Navigationsplattformen Relevanz. Infrastrukturelle Operativität und datenpolitische Durchdringung verbinden sich mit dokumentarischen Praktiken im Modus des digitalen Gebrauchsbildes. Mein Promotionsprojekt siedelt sich daher in der medien- und kulturtheoretischen Trias aus Dokumentarfotografie, kritischer Infrastrukturenforschung und politischem Mediengebrauch im Bereich der Architektur an.

Der Topos des „Anonymen“ in Bildlichkeit und Architektur steht daran anschließend zur Disposition und soll anhand der künstlerisch-aktivistischen Videoarbeiten von Forensic Architecture diskutiert werden. Die interdisziplinäre Organisation recherchiert so diverse architektonische Gebrauchsbilder und (privat-) dokumentarische Formate wie Satellitenbilder, Youtube-Clips, Fernsehschnipsel, Handyfotos, Facebook-Posts, um Kriegsereignisse zu rekonstruieren und aktivistisch gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen. In einem medienästhetischen Nexus aus digitaler Quellenkritik und künstlerischem Videoessayismus produziert die Agentur mithilfe dieser found footage digitale CAD-Modelle, um solche im Web verteilte Bildevidenzen zu synthetisieren und als Beweismaterial aufzubereiten. Gefundene, größtenteils frei zugängliche Bilder werden mit Methoden des cross-referencing bzw. als „inter-documentary“ (Briet) lokalisiert und situiert. Fotografierte Architektur fungiert in diesen Arbeiten als dokumentarisches Medium, mithilfe dessen sich anonyme Bilderwelten verknüpfen lassen.

Mein Promotionsprojekt widmet sich der politischen, epistemologischen und ästhetischen Relevanz von Bildern „anonymer“ Architektur, um einen Diskurs des Dokumentarischen in Bezug auf Architekturen als kritische Wissensanordnungen anzuregen. Aus medientheoretischer Sicht gilt es, den Topos des Dokumentarischen im Feld der Architektur und ihrer Bilder – in der Paradoxie zwischen der material culture von bestehenden Gebäuden und der infrastrukturellen Operativität von technischen Medien – zu untersuchen. So soll eine motivisch situierte Perspektive auf Architektur als materiellem, ortsgebundenen Bestand mit einer relationalen, sich in Prozessualität und Zirkulation verteilenden Bilderpraxis konfrontiert werden.


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 04/2019 – 10/2019: Stipendiatin des Humboldt Research Track zur Vorbereitung der Promotion, gefördert im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern
  • 10/2015 – 04/2019: Masterstudium, „Kulturwissenschaft“, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 09/2016 – 01/2017: Erasmusstudium, „Médiation culturelle“, Université Sorbonne Nouvelle Paris 3, Paris
  • 11/2015 – 04/2019: Studentische Hilfskraft, Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung, Projekt „Form, Code, Milieu“ / Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Form, Prof. Dr. Claudia Blümle, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kunst- und Bildgeschichte
  • 10/2011 – 09/2015: Bachelorstudium „Medienkultur“, Bauhaus-Universität Weimar
  • 04/2015 – 09/2015: Studentische Hilfskraft, Lehrstuhl für Medienphilosophie, Prof. Dr. Michael Cuntz, Bauhaus-Universität Weimar
  • 04/2014 – 09/2015 Studentische Hilfskraft, Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM), Bauhaus-Universität Weimar
  • 10/2013 – 01/2014: Erasmusstudium „Arts du Spectacle“, Université Lumière Lyon 2, Lyon
  • 04/2013 – 09/2013: Studentische Hilfskraft, Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM), Bauhaus-Universität Weimar

Publikationen

  • „Doppelt Negativ. Pläne des Digitalen um 1969“, in: HORIZONTE. Zeitschrift für Architekturdiskurs, 12, 2018, S. 43–51.
  • „Schritte und Schnitte. Taktische Topographien bei Michel de Certeau und Gordon Matta-Clark“, in: SYN. Magazin für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, 13, 2017, S. 61–70.

Vorträge

  • „Gegenlicht in der Wüste. Medienwissenschaftliche Überlegungen zum Roden Crater Project von James Turrell“, 27.08.2015, Vortrag im Rahmen der Ausstellung TRANSITIONS, ACUD/Berlin
  • „Frauenbilder im Dokumentarfilm der DDR. Kulturanthropologische Auseinandersetzungen anhand der Methode des Videoessays“, 02.06.2019, Workshop im Rahmen der 32. dgv-Studierendentagung, Universität Wien, gemeinsam mit Antje F. Hoffmann und Vanessa Zallot
  • „Trennungslose Verbindung? Zur Politik der virtuellen Kamera in medienarchitektonischer Videokunst“, 16.04.2020, Vortrag und Screening im Rahmen von „DIS(S)-CONNECT II – Wie Medien uns trennen und verbinden“, Videobasierter Doktorand*innen Workshop, Universität Wien

Organisation von Veranstaltungen

  • Mitarbeit an Konzeption und Moderation der Podiumsdiskussion „Wissen ausstellen“, 20.07.2016, Humboldt Universität/Berlin

Sonstiges

  • Mitglied der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)