Katharina Krol, M.A.

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44789 Bochum
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Titel der Dissertation

Dokumentarische Verantwortung. Marginalisierung und Sichtbarkeit am Beispiel der Untergrund-Community vom Bukarester Nordbahnhof (AT)

Projektbeschreibung

In den 2010er Jahren gingen eine Reihe medialer Berichterstattungen über eine Gruppe von obdachlosen Menschen, die die Tunnel des Bukarester Fernwärme-Systems bewohnte, um die Welt. Diese Berichterstattungen fokussieren sich auf die Darstellung destruktiv anmutender Bilder von verstört wirkenden Menschen, durch Krankheit gezeichneten Körpern, Drogenkonsum und kriminellen Aktivitäten. Die Hintergründe der Situation werden in wenigen Sätzen angedeutet, die Protagonist:innen kommen nur selten länger als einige Sekunden zu Wort. In der Folge dieser einseitigen und sensationalistischen Berichterstattung wurden die Tunnel im Sommer 2015 von der rumänischen Regierung mit katastrophalen Folgen für die Bewohner:innen zwangsgeräumt.

Anhand des Beispiels der Berichterstattung über die Tunnel-Community vom Bukarester Nordbahnhof möchte sich das Dissertationsprojekt den Herausforderungen der Repräsentation im Rahmen dokumentarischer Formate annehmen und nach Formen der dokumentarischen (Zusammen-)Arbeit fragen, die die Risiken der Repräsentation, wie Fehldarstellung oder Ausbeutung, minimieren oder gar umgehen können.

Der erste Teil des Projektes soll sich daher mit dem Prozess der Betrachtung und Bewertung des zu dokumentierenden Gegenstandes befassen. Die These ist, dass die Möglichkeit von Darstellungen, die das Leben an den Rändern der Gesellschaft jenseits von einseitigen und stigmatisierenden Bildern zeigen, mit solchen Formen der Betrachtung einhergeht, die (mitunter wissenschaftlich) etablierte Konzepte der Wissens(re)produktion und Bewertung sowie damit verbundene Mainstream-Moralvorstellungen suspendieren.

In der Diskussion über die Auseinandersetzung der filmenden Position mit dem zu filmenden Gegenstand rückt insbesondere die dokumentarische Beziehung zwischen Filmenden und Gefilmten in den Fokus. Diese beabsichtigt das Projekt im zweiten Teil entgegen des dem Direct Cinema entsprungenen Postulats der distanzierten und nicht-involvierten dokumentierenden Instanz als relational zu konzipieren: Welche Erkenntnisse und (Neu-)Bewertungen eines Gegenstandes ergeben sich und welche anderen dokumentarischen Arbeits- und Darstellungspraktiken werden möglich, wenn die Verbundenheit, die Beziehung und die Verstrickung zwischen privilegierter dokumentierender und marginalisierter dokumentierter Position an Einfluss gegenüber der Idee der professionell distanzierten Haltung der Filmenden an Einfluss gewinnt? Welche Rolle spielen die der dokumentarischen Beziehung inhärenten Machtverhältnisse dabei und was sind die neuen Herausforderungen? In Bezug auf diese Fragen sollen weitere, dokumentarfilmische sowie -fotografische und journalistische Arbeiten zur Tunnel-Community vom Bukarester Nordbahnhof betrachtet werden, die die Komplexität der Lebensform in den Tunneln darzustellen suchen. Dabei wird der Aspekt der Verantwortung eine zentrale Position einnehmen.

Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2022: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/18 bis 09/22: Masterstudium der Theaterwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum
  • 02/21 bis 03/22: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Theaterwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum (Geschäftszimmer: Lehrangebotskoordination)
  • 10/14 bis 09/18: Bachelorstudium der Theaterwissenschaft und Germanistik, Ruhr-Universität Bochum

Publikationen

„Miszelle: Theater und Pandemie. Über die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf das Theater“, in: Thewis, 8(1), 2020, online.

Vorträge

  • 2022 „Dokumentarische Verantwortung. Marginalisierung und Sichtbarkeit am Beispiel der Untergrund-Community vom Bukarester Nordbahnhof“, Jahrestagung „DOKUMENT WERDEN. Zeitlichkeit | Arbeit | Materialisierung“ des DFG-Graduiertenkollegs 2132 „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Bochum.

Veranstaltungsorganisation

  • Moderation bei der Online-Konferenz „The Workshop – Investigations Into an Artistic Political Format“, 26.-28.03.2021, im Rahmen des Fritz Thyssen Projekts „Collective Realisation – The Workshop as an Artistic-Political Format“ (Ruhr-Universität Bochum) in Kollaboration mit dem ICI Berlin und dem PSR Projekt „Our Dance“ (Heizhaus / Uferstudios GmbH), online (Berlin).
  • Mitarbeit an der Konzeption, Durchführung und Programmheftgestaltung des Symposiums „Szenografien – Raumbildende Prozesse in szenischen Künsten“, 27.07.2018, Ruhr-Universität Bochum.