Vera Mader, M.A.

Universitätsstr. 105
44789 Bochum
Raum: UNI 105, 3/26

Telefon: +49 (0) 234/32-27283
E-Mail: vera.mader@ruhr-uni-bochum.de




Titel der Dissertation

Therapeutiken der Selbst-Überschreitung. Poetik und Praxis der Sorge bei Audre Lorde (Arbeitstitel)


Projektbeschreibung

Mein Dissertationsvorhaben versucht das Schreiben und Wirken Audre Lordes als eine Position des Denkens von Sorge im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts aufzuarbeiten. Lordes Auseinandersetzung mit und Schreiben von ihrer Krebserkrankung (The Cancer Journals (1980), A Burst of Light (1986)) lässt sich als Sorge-um-sich (Michel Foucault) sowie als politische Arbeit verstehen, sofern die selbstbezeichnende Black lesbian mother poet warrior eine affirmierende Haltung zu verkörperter Differenz unter anderen Formen sozialen Ausschlusses aus der Erfahrung von Krankheit und Versehrtheit entwickelt.

Das Projekt setzt mit Blick auf die Indienstnahme und Prekarisierung Schwarzer Subjekte in Medizin und Gesundheitsvorsorge an der wissenschaftsgeschichtlich problematischen Verschränkung von Schwarzsein und Krankheit an und versucht in Folge dessen, Lordes Schreiben im Kontext von Kulturen Schwarzen Widerstands und der Heilung, welche die rassifizierten Bedingungen des Über-/Lebens als strukturelles Problem bestimmen, und biopolitischer Selbstsorgeregimes (wie z.B. der feministischen Gesundheitsbewegung) zu situieren. Ich möchte Lordes Schreiben als eine Sorgepraxis historisieren, die eng mit Lordes Arbeit in Netzwerken Schwarzer feministischer Organisation und der Praxis einer dekolonialen Pädagogik verknüpft ist.

Dieses Schreiben, so eine Hypothese, orientiert sich weniger an der (Un-)Möglichkeit der Heilung, als dass Lorde die Notwendigkeit der Selbsterhaltung immanent politisiert und eine Therapeutik vorschlägt, die sich im Sinne einer poesis als Praxis und Aufgabe ständiger Veränderung versteht und auf Differenz als „Technik des Selbst“ zurückgreift, die von der gewaltgetragenen Positionierung im Schnittfeld der Achsen race, Gender und Begehren ihren Ausgang nimmt.

Ein spezifisch medienwissenschaftliches Interesse liegt auf der kontinuierlichen Überschreitung von Interiorität/Exteriorität, die Lordes therapeutische Arbeit zwischen vitaler und sozialer Transformation situieren. Während das kulturelle Imaginäre der Krebserkrankung als pathologisch Lebendiges die körperlichen Grenzen verunsichert, gibt Lorde eben dieser Verletzlichkeit statt, wenn sie vorschlägt, die veränderten Bedingungen des Krankseins als Teil des Selbst und in die Betrachtung des Über-/Lebens zu integrieren. Weiterhin möchte ich untersuchen, inwiefern diese Bewegung der Selbstüberschreitung auch im Sinne einer durchlässigen Grenzziehung zwischen dem Selbst und seiner Umgebung als Umweltlich-Werden zu verstehen ist, die  Umweltrassismen und differenziell distribuierter Vulnerabilität Rechnung trägt.

 


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2016 bis 9/2019: Masterstudium der Medienkulturforschung, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 9/2017 bis 5/2018: Studium am Department of Communication, University of Massachussetts, Amherst
  • 10/2013 bis 9/2016: Bachelorstudium Medienkulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Publikationen

  • (in Vorbereitung) „A silent war called normality, oder: Eine Kritik der Oberfläche, 1998-2001“, in: Text\Werk. Lektüren zu Hito Steyerl, hrsg. v. Lilian Haberer,  Philipp Hohmann, Anna Polze, Julia Reich und Jolanda Wessels, Hatje Cantz, 2022.
  • A Redistribution of Violence. Modulationen der Sorge in Carolyn Lazards A Recipe for Disaster„, in: zfm 24, April 2021.
  • „Morgen, das 22. Jahrhundert. Neue, alte und Andere Zukünfte“, in: zfm 22, April 2020. (Rezension) 
  • „The Master’s Tools. Technische Störung und Afrofeministische Differenz bei Janelle Monáe und Erykah Badu“, in: FFK Journal Nr.5, März 2020.
  • „Der Bunker als Monitor – Unbreakable Kimmy Schmidt und die Ästhetik der Hysterie im Fernsehen”, in: Scheffer, Bernd; Jahraus, Oliver (eds.), Medienobservationen, 2017.
    https://www.medienobservationen.lmu.de/artikel/tv/tv_pdf/mader_hysterie.pdf

Vorträge

  • 2021 „Flip it and reverse it. Missy Elliots Techno-Orientalismus“, gemeinsamer Workshop mit Zélie Jouenne am Institut für Musik und Musikwissenschaften, TU Dortmund (online).
  • 2020 „Selfcare, Resilienz und hyperbolische Flächen“, gemeinsames Panel des Graduiertenkollegs „Das Dokumentarische“ („How to un\learn…)bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften, Ruhr-Universität Bochum (online).
  • 2020 „Katzen knutschen“, gemeinsames Panel mit Julia Reich und Robert Dörre („Selbstdokumentation und Affektkulturen im digitalen Raum“) beim 33. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquium an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig.
  • 2020 „Rewind. Queer Asynchronicity and Afrofeminist Chronopolitics in the audiovisual works of FKA twigs and Kelela“, Queer Pop. Akademisches Symposium am Zentrum für Populäre Musik und Kultur, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
  • 2019 „The Master’s Tools. Ästhetiken der Störung im Afrofuturismus von Janelle Monáe und Erykah Badu“, 32. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam.
  • 2018 „Attack the Rack – Performing emotional labor and consumer personhood in thrift haul videos“, Graduate Student Conference „Performance and Labor in the Contemporary World“, Duke University, Durham, NC.

Sonstiges

  • Mitglied der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)
  • Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Medienobservationen“
  • bis Juli 2020: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln