Vera Mader, M.A.

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Titel der Dissertation

Therapeutiken der Selbst-Überschreitung. Sorge und Differenz bei Audre Lorde (Arbeitstitel)


Projektbeschreibung

Ausgehend von Audre Lordes Schreiben über Krebs fragt mein Projekt nach afrodiasporischen Theorien und Praxen der Sorge im Kontext Schwarzer Kulturen des Widerstands und der Un/Möglichkeit einer Heilung im langen Nachleben der Sklaverei. Gerade entlang der wechselseitigen Artikulation von Krankheit und rassistischer Gewalt werden spezifische Gefüge der differentiellen Affizier- und Verletzbarkeit, aber auch der sozialen Transformation und (Selbst-)Überschreitung beschreibbar.
So gerät die Verschränkung von Schwarzsein und Krankheit vor dem Hintergrund der  Indienstnahme und Prekarisierung Schwarzer Subjekte in Medizin und Gesundheitsvorsorge zunächst als wissenschaftsgeschichtlich problematisch in den Blick. Gegenüber der strukturellen Notwendigkeit von Selbsterhaltung und kollektiver Sorge schlägt Lorde eine Therapeutik vor, die in der gewaltgetragenen Positionierung im Schnittfeld der Achsen race, Gender und Begehren ihren Ausgang nimmt, diese aber im Sinne einer oncological difference (Moten 2018) in eine Praxis der ständigen Veränderung umkehrt. Neben dieser differenztheoretischen Problematisierung von Versehrtheit liegt ein spezifisch medienwissenschaftliches Interesse auf der kontinuierlichen Verunsicherung körperlicher Integrität und der Unterscheidung zwischen Innen und Außen, sofern das kulturelle Imaginäre der Krebserkrankung als pathologisch lebendiges Wachstum diese Grenzziehungen kontinuierlich übertritt. Lordes eco-poietische Durcharbeitung der Differenz zwischen Umwelt und Selbst zeichnet das Verhältnis zwischen (individuierter) Innerlichkeit und umgebendem Außen durchlässig. Insofern knüpfe ich an afrokaribische Theoriebildung (Glissant, Wynter, Gumbs) an, um nach einer Weise des Umweltlich-Werden zu fragen, die einerseits (Umwelt-)rassismen und differenziell distribuierter Vulnerabilität Rechnung trägt und andererseits ein afrofuturistisches Imaginäres der vitalen und sozialen Überschreitung generiert.

 


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2016 bis 9/2019: Masterstudium der Medienkulturforschung, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 9/2017 bis 5/2018: Studium am Department of Communication, University of Massachussetts, Amherst
  • 10/2013 bis 9/2016: Bachelorstudium Medienkulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Publikationen

  • (Rezension) „Jasmin Degeling: Medien der Sorge“, in: MEDIENwissenschaft Rezensionen, 2022/2, S.
  • Eine Kritik an der Oberfläche. Hito Steyerls Normalität 1–X (1999–2001) und »Der Haider-Schlingensief-Pakt. Differenz-Nazis must die«, in: Text\Werk. Lektüren zu Hito Steyerl, hrsg. v. Lilian Haberer,  Philipp Hohmann, Anna Polze, Julia Reich und Jolanda Wessels, Hatje Cantz, 2022.
  • A Redistribution of Violence. Modulationen der Sorge in Carolyn Lazards A Recipe for Disaster„, in: zfm 24, April 2021.
  • (Rezension) „Morgen, das 22. Jahrhundert. Neue, alte und Andere Zukünfte“, in: zfm 22, April 2020. 
  • „The Master’s Tools. Technische Störung und Afrofeministische Differenz bei Janelle Monáe und Erykah Badu“, in: FFK Journal Nr.5, März 2020.
  • „Der Bunker als Monitor – Unbreakable Kimmy Schmidt und die Ästhetik der Hysterie im Fernsehen”, in: Scheffer, Bernd; Jahraus, Oliver (eds.), Medienobservationen, 2017.

Vorträge

  • 2022 „A Redistribution of Violence. Carolyn Lazards ästhetische Praxis zwischen Sorge und Gegen-/Gewalt“, gemeinsamer Workshop mit Anne Gräfe und Maria Muhle, Akademie der Bildenden Künste, München.
  • 2022 „Questioning Healing: Audre Lorde, German naturopathy and environmental healing“, Violence, Care, Cure (Self)perceptions Within the Medical Encounter,
    ICI Berlin.
  • 2021 „Flip it and reverse it. Missy Elliots Techno-Orientalismus“, gemeinsamer Workshop mit Zélie Jouenne am Institut für Musik und Musikwissenschaften, TU Dortmund (online).
  • 2020 „Selfcare, Resilienz und hyperbolische Flächen“, gemeinsames Panel des Graduiertenkollegs „Das Dokumentarische“ („How to un\learn…)bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften, Ruhr-Universität Bochum (online).
  • 2020 „Katzen knutschen“, gemeinsames Panel mit Julia Reich und Robert Dörre („Selbstdokumentation und Affektkulturen im digitalen Raum“) beim 33. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquium an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig.
  • 2020 „Rewind. Queer Asynchronicity and Afrofeminist Chronopolitics in the audiovisual works of FKA twigs and Kelela“, Queer Pop. Akademisches Symposium am Zentrum für Populäre Musik und Kultur, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
  • 2019 „The Master’s Tools. Ästhetiken der Störung im Afrofuturismus von Janelle Monáe und Erykah Badu“, 32. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam.
  • 2018 „Attack the Rack – Performing emotional labor and consumer personhood in thrift haul videos“, Graduate Student Conference „Performance and Labor in the Contemporary World“, Duke University, Durham, NC.

Sonstiges

  • Mitglied der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)
  • Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Medienobservationen“
  • bis Juli 2020: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln