Theodor Frisorger, M.A.

Universitätsstr. 105
44789 Bochum
Raum: UNI 105, 3/25

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E-Mail: theodor.frisorger@ruhr-uni-bochum.de




Titel der Dissertation

Fotografische Dokumente filmischer Arbeit. (Arbeitstitel)


Projektbeschreibung

Das Ausgangsmaterial meiner Dissertation bilden Fotografien von der Produktionsarbeit am Filmset. Diese Setfotografien (auch »production stills« genannt) sind von einer Spannung zwischen dokumentarischem Exzess und Entzug gekennzeichnet. Einerseits versprechen sie einen Blick hinter die Kulissen des Films und stellen ein mediales Reflexionswissen aus dem zugrundeliegenden Transformationsprozess vom bewegten zum stillstehenden Bild in Aussicht. Andererseits sind sie Gebrauchsbilder und Werbeträger der Filmindustrie, die Praktiken der Desillusionierung und Sichtbarmachung von Filmarbeit mit der ideologischen Verklärung ›tatsächlicher‹ Produktionsbedingungen verknüpfen. Entsprechend diesem oszillierenden Status von Setfotografien zwischen Meta- und Reklamebildern geht es mir nicht um eine gattungsontologische Zu- oder Absprache von dokumentarischen Qualitäten. Mein Projekt interessiert sich stattdessen für die mediale Situierung und Zirkulation dieser Fotografien innerhalb der visuellen Kultur und den dabei stattfindenden Operationen des Dokumentarischen.

Ich fokussiere mich dabei (primär) auf das US-amerikanische Studiosystem der Nachkriegszeit; insbesondere auf die zeitliche Spanne von 1948 bis 1963, die von institutionellen, juristischen, medientechnischen und -ästhetischen Umwälzungen der Filmindustrie grosso modo gekennzeichnet ist. Dies birgt Konsequenzen für die produzierten Filme und für die fotografischen Dokumentierungspraktiken von Filmproduktion gleichermaßen. Neben den Beschäftigungsverhältnissen und Arbeitsumständen der Fotograf*innen ändern sich dadurch etwa die präferierten Bildsujets und Ästhetiken der Fotografien selbst. Setfotografien sind gar mit der Gefahr des Obsolet-Werdens konfrontiert, da ab den 1950er Jahren zunehmend filmische Darstellungen von Filmarbeit, etwa mit der televisuellen Verbreitung von Featurettes, an Popularität gewinnen. Und auch distributionsseitig kommt es zu Rekonfigurationen von production stills, die nicht mehr ausschließlich über spezialisierte Film- und Fanmagazine verbreitet werden, sondern zu einem gängigen Bestandteil der fotojournalistischen Nachrichten- und Boulevardpresse avancieren.

Vor diesem Hintergrund analysiere ich den dokumentarisierenden Gebrauch von Setfotografien in (Film)Zeitschriften und stelle die progressiven Potenziale dieser Fotografien heraus, die nicht vollends in einer Instrumentalisierung durch filmindustrielles Marketing aufgehen, sondern als Dokumente der Sichtbarkeits- und Anerkennungspolitik von (marginalisierter) Filmarbeit zur Verhandlung stehen. Ich nehme Branchenmagazine, fotojournalistische Boulevardzeitschriften und der cinephilen Filmkritik verpflichtete Filmjournale genauer in den Blick und verknüpfe diese Journalgattungen mit distinkten filmwissenschaftlichen Theorietraditionen. Production Studies, Star Studies sowie Studien zur Cinephilie und Auteur-Theorie argumentieren jeweils ausdrücklich unter Verwendung von Setfotografien, ohne deren medialen und historischen Status immer systematisch mitzudenken.

Hier setzt meine Dissertation an und arbeitet die latenten Konzeptionen des Dokuments und des Dokumentarischen innerhalb dieser filmwissenschaftlichen Forschungsstränge heraus und stellt ihnen über die Historisierung von Setfotografien ein Reflexionswissen zu Seite. In diesem Kreuzungspunkt von Filmgeschichte und Zeitschriftenkultur leistet mein Dissertationsprojekt damit einen Beitrag sowohl zur Geschichte und Geschichtsschreibung der Filmfotografie als auch zur Epistemologie der Filmwissenschaft.


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2018 bis 09/2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln (bei Jun.-Prof. Dr. Dennis Göttel)
  • 10/2015 bis 08/2019: Masterstudium „Medienwissenschaften“, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
  • 04/2014 bis 09/2018: Studentische Hilfskraft und Tutor am Institut für Medienforschung, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (bei Prof. Dr. Heike Klippel und Prof. Dr. Rolf F. Nohr)
  • 10/2012 bis 01/2016: Bachelorstudium „Medienwissenschaften“ und „Kunstwissenschaft“, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Technische Universität Braunschweig

Publikationen

Aufsätze

  • »At least the money will stay in the family.« Film- und Familienproduktion bei Chantal Akerman. In: Winfried Pauleit und Angela Rabing (Hg.): Familien-Bilder. Lebensgemeinschaften und Kino. Berlin: Bertz + Fischer 2020, S. 104-114.

Rezensionen, kleinere Arbeiten, etc.

  • Filmzeitschriften ohne Film. In: Cargo Film/Medien/Kultur 46, 6/2020, S. 68–71.

Lehrveranstaltungen

  • Wintersemester 2019/20: Seminar „Fototheorien“, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln
  • Sommersemester 2019: Übung „Starfotografie“, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln
  • Wintersemester 2018/19: Seminar „Feministische Filmarbeit“, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln
  • Sommersemester 2017: Seminar „Weltkino“, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Universität Hildesheim
  • Sommersemester 2017: Übung „Michel Foucault“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig (mit Elisa d’Augello)
  • Wintersemester 2016/17: Tutorium „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig
  • Wintersemester 2016/17: Übung „Gender und populäre Medien“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig (mit Elisa d’Augello)
  • Sommersemester 2016: Übung „Intermedialität“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig (mit Elisa d’Augello)
  • Wintersemester 2015/16: Tutorium „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig
  • Wintersemester 2015/16: Übung „Filmarbeit: Alfred Hitchcock“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig
  • Sommersemester 2015: Übung „Lektürekurs MeWi“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig (mit Arne Fischer & Fedor Thiel)
  • Wintersemester 2014/15: Tutorium „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, Institut für Medienforschung, HBK Braunschweig

Organisation von Veranstaltungen

  • Organisation des Workshops „Genealogien/Durchkreuzen“ mit Dr. Nanna Heidenreich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medienwissenschaft post_kolonial“, 28.05.2019, Universität zu Köln.
  • Konzeption und Organisation (mit Céline Brouwez) der Filmreihe „Our Story: The Outfest Legacy Project“, 16.03-15.04.2018, CINEMATEK Brüssel.
  • Konzeption und Organisation (mit Michael P. Aust) der Tagung „Feindliche Schwestern. Interdependenzen von Film und Theater“ im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Braunschweig, 10.11.2016, Staatstheater Braunschweig.

Vorträge

  • „Der frühe Making-of-Film und seine telemediale Infrastruktur als Quellen historischer Produktionsforschung“, Online-Vortrag gehalten am 10.07.2020 im Rahmen des 4. Workshops der AG Medienindustrien „Archive, Daten, Netzwerke. Methoden zur Erforschung historischer Produktionskulturen“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (mit Dennis Göttel).
  • „behind the scenes & below the line. (Gegen)Bilder von Filmarbeit“, Panel abgehalten am 11.03.2020 im Rahmen des 33. Film- und Fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums an der HBK Braunschweig (mit Felix Hasebrink).
  • „‚At least the money will stay in the family.‘ Film- und Familienproduktion bei Chantal Akerman“, gehalten am 09.05.2019 im Rahmen des 24. Internationales Bremer Symposium zum Film „Familien-Bilder. Lebensgemeinschaften und Kino“ im City 46. Kommunalkino Bremen.
  • „Das Making-of als Quelle historischer Filmproduktionsforschung“, gehalten am 01.02.2019 im Rahmen des 3. Workshops der AG Medienindustrien „Methoden und Zugänge für die Forschung zu und in Medienindustrien“ an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf (mit Dennis Göttel).
  • „Queere Zeitstrukturen im Mittelalterfilm am Beispiel von ‚The Valley of the Bees‘ (1967)“, gehalten am 24.11.2017 im Rahmen der studentischen Tagung „Das Erbe des Mittelalters“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
  • „Kinematografische Anatomien. Bewegtbilder des Körperinneren im intermedialen Austausch“, gehalten am 08.06.2016 im Rahmen der Konferenz für studentische Forschung „forschen@studium“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
  • „Turn the inside out. Fragmente einer Filmgeschichte des Körperinneren“, gehalten am 24.10.2015 im Rahmen der 6. Interdisziplinären Studierendentagung „TURN! TURN! TURN! Medien der Kunst und Kultur im Wandel“ an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
  • „Das Gleiche, das verunsichert. Serielle Fotografie als Medienreflexion“, gehalten am 26.09.2015 im Rahmen der Studentischen Konferenz für interdisziplinäre Forschung „ZUfo“ an der Zeppelin Universität Friedrichshafen.
  • „Ästhetik der Scheibe. Durchsicht, Ansicht und Reflexion bei Abbas Kiarostami“, gehalten am 30.11.2014 im Rahmen des 87. Kunsthistorischen Studierendenkongresses „Ansichtssache“ an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Sonstiges