Robert Dörre, M.A.

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Universitätsstr. 105
44780 Bochum
Raum: UNI 105, 3/38

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E-Mail: robert.doerre@rub.de

Sprechstunde WS 18/19:  Montags 12-13 Uhr. Online-Anmeldung




Titel der Dissertation

Argonauten der Digitalkultur. Audiovisuelle Selbstdokumentation als Phänomen und Praktik des Social Web (Arbeitstitel)


Projektbeschreibung

Das Dissertationsvorhaben konzentriert sich auf die Untersuchung aktueller Formen audiovisueller Selbstdokumentation, denn das Dokumentieren und die Rezeption dokumentarischer Videos ist heute mehr denn je weitverbreitete soziale Praxis geworden, die ebenso viele Anhänger wie (medienkulturkritische) Gegner findet. Auf Plattformen wie YouTube haben sich mittlerweile verschiedenste Videoformate ausdifferenziert. Menschen dokumentieren darin z.B. ihren Alltag, haben ihr öffentliches Coming Out, testen Produkte, äußern ihre Meinung zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, erzählen Geschichten aus ihrem Leben, präsentieren Unterwäsche u. v. m. Das Hauptanliegen der Dissertation ist es mithilfe induktiver Analyseverfahren eine gegenstandsbegründete Theorie dieses Phänomens und der zugehörigen medialen Dispositive zu generieren.

Neben der Analyse von aktuellen deutschsprachigen Video-Blogs und Live-Streams, soll sich dem Phänomen der Selbstdokumentation aus unterschiedlichen Perspektiven genähert werden. Gerade der Vergleich mit anderen Medien der Selbstdokumentation, wie dem Tagebuch, der literarischen Autobiographie oder dem Selbstportrait, scheint sich dabei aufzudrängen. Nicht zuletzt rücken bei der historischen Spurensuche die Arbeiten von VideokünstlerInnen der 1960er und 1970er Jahre in den Fokus. Dahingehend möchte das Projekt auch die benjaminsche These von der Kunst als Antizipationsraum (medien-) kultureller Praktiken wieder ernst nehmen. Bemerkenswerterweise prä­fi­gu­rie­ren nicht nur die Videoarbeiten selbst ein kontemporäres Phänomen der Digitalkultur; an ihnen entzündete sich bereits ein kulturkritischer Diskurs, der schon die zentralen Topoi der Kritik vorausweist.

Darüber hinaus manifestieren sich in all diesen Formen der Selbstdokumentation nicht nur kulturelle und soziale Ordnungsstrukturen, sie werden zudem ganz maßgeblich auch verhandelt. Im Sinne Foucaults widmet sich die Arbeit solchen diskursiven Strukturen, Verschiebungen und Ausschlusspraktiken und versucht die dokumentarischen Gesten der Digitalkultur als soziale Praxis und Phänomen der Neuen Medien zu erschließen.


Wissenschaftlicher Werdegang

  • Seit Oktober 2016: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Promotion) am DFG-Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2013 bis 06/2016: Masterstudium „Medienwissenschaft“, Universität zu Köln
  • 10/2010 bis 08/2013: Bachelorstudium „Filmwissenschaft und Soziologie“, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Publikationen

  • Dörre, Robert (2018) Zwischen Autobiografie und Märchenstunde. Überlegungen zur Rezeptionsästhetik selbstdokumentarischer Storytime-Videos. In: Christine Hämmerling und Daniela Zetti (Hg.): Das dokumentierte Ich. Wissen in Verhandlung. Zürich: Chronos.
  • Dörre, Robert (2016) Ohne Drehbuch. Zur Theorie und Ästhetik der Improvisation im Spielfilm am Beispiel des German Mumblecore. Masterarbeit, Universität zu Köln. Online Verfügbar unter: http://kups.ub.uni-koeln.de/7034/

Vorträge und Moderation

  • Dörre, Robert (2018) „… alter muss das sein nur um Klicks zu bekommen?“ Werbung und Warenästhetik als Diskursgegenstände des Social Web. Vortrag an der Universität Siegen im Rahmen der Jahrestagung der GfM
  • Gemeinsam mit Katja Grashöfer Moderation der Podiumsdiskussion zum Begriff des Gegendokumentarischen im Rahmen der Jahrestagung „Gegen/Dokumentation“ | 08. –10.11.2018 in der Situation Kunst Bochum| Gäste: Friedrich Balke, Astrid Deuber-Mankowsky, Dietmar Kammerer,  Alexandra Schneider, Renate Wöhrer
  • Dörre, Robert (2017) Broadcast Your Body – Video Blogs and The Discourse of Body Positivity. Vortrag an der Université Sorbonne Nouvelle (Paris III) im Rahmen der NECS Conference 2017
  • Dörre, Robert (2017) In Alarmbereitschaft. Zur Rezeption selbstdokumentarischer Videos am Beispiel des Storytimes. Vortrag an der FAU Erlangen-Nürnberg im Rahmen der Jahrestagung der GfM 

Organisation

  • 2018: Programmorganisation der Jahrestagung „Gegen/Dokumentation“ (Situation Kunst) | 08. –10.11.2018| gemeinsam mit Esra Canpalat und Pia Goebel
  • 2018: Organisation des Workshops Kommunikationsräume: Roger Odin und der semiopragmatische Ansatz |gemeinsam mit Leonie Zilch, Guido Kirsten, Oliver Fahle und den Gästen Thomas Weber, Magali Trautmann, Laura Katharina Mücke, Frank Kessler, Britta Hartmann und Philipp Blum
  • 2017: Organisation des Workshops Selbstdokumentation und Affektkulturen | gemeinsam mit Sarah Horn und den Gästen Brigitte Weingart und Peter Rehberg

Mitgliedschaften


Weitere Tätigkeiten