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Affirmierte Apokalypse: Dokumentation und Dark Media-Theory [INTERN]

27. März 2018 | 10:00

Dass man sich das Ende der Welt eher vorstellen könne, als das Ende des Kapitalismus, diagnostizierte der Kulturtheoretiker Mark Fisher.
Diese These hat sich in die technopolitische Position einer „Dark-Media-Theory“ (Eugene Thacker) eingeschrieben. Unter dieser kann man sich eine Sammlung von Positionen vorstellen, die zum einen von der Annahme der Alternativlosigkeit des Kapitalismus ausgeht und zum anderen ein katastrophisches Krisenpotential affirmiert. Im Weiteren ist damit ebenso eine auf einer ontologischen Basis operierende Medientheorie angesprochen, die sich der Frage verschrieben hat, ‚Ob überhaupt Information existiert und nicht vielmehr nur Rauschen.’ Das kybernetische Kommunikationsdiagramm wird hier außer Kraft gesetzt und sich die Frage der Vermittlung anders gestellt. Diese sich im „Dunkeln“, Okkulten und im Horror verortende Theorie hat in letzter Zeit massiv Anschluss gefunden an Positionen wie unter anderem: Silicon Valley Ideology (Elon Musk, Peter Thiel), Big Data, Transhumanismus (Ray Kurzweil), dem sog. Dark Enlightment, die sich auch NRX (Neoreaction) nennen (Nick Land, Curtis Yarvin). Gerade eine Position, die sich als gegen-aufklärerisch bzw. verdunkelnd begreift und sich dezidiert als ‚intellektuelle’ inszeniert, könnte man als einen beunruhigenden Beitrag zum Diskurs um ‚alternative truth’ und das Post-faktische begreifen. Denn hier, so könnte man es pointieren, geht es um eine Theorie der ‚Post-Information’.
Wie lässt sich dieser Komplex, der sich gern als Gegenöffentlichkeit oder gar als counter-enlightment begreift und einen „neuen Realismus“ für sich beansprucht von einer nicht affirmativen Auseinandersetzung mit dem (technopolitischen) Dokumentarischen abgrenzen? Wie ist ein im Weiteren zu definierendes Gegendokumentarisches von dieser fatalistischen und nihilistischen Position eines ‚Es ist so gewesen’ produktiv und in Absetzung vom reaktionären Potenzial des ‚Gegen-’ zu entwickeln? Denn es handelt sich hierbei nicht bloß um esoterische Zirkel oder Diskurse superreicher Silicon Valley Enklaven.
Im Workshop sollen diese verschiedenen Fragen einer „Dark-Media-Theory“ für das Dokumentarische diskutiert werden: In welchen medienästhetischen Verfahren visualisiert sich dieser dunkle Counter-Dokumentarismus? (Unter diesem Schlagwort soll die Frage des Dark-Enlightments für das Dokumentarische diskutiert werden, um es vom Gegendokumentarischen abzugrenzen) Wo lassen sich historische Vorläufer dieser Positionen finden? (Etwa die Konservative Revolution, die Kybernetik, der Cyberpunk) Lässt sich eine (Medien-)wissenschaftlich orientierte Auseinandersetzung mit den Kernthesen der „Dark-Media-Theory“ erarbeiten, die sich nicht an nihilistische Praktiken und an einer Entfesselungsthese der Technologie orientiert?

Impulsvorträge seitens des Kollegs und unserer Gäste mit abschließender Diskussion der Beiträge.

Vortragende: Prof. Dr. Friedrich Balke, Dr. des. Maren Haffke, Felix Hüttemann M.A. Ruhr-Universität Bochum Graduiertenkolleg ‚Das Dokumentarische. Exzess und Entzug‘

Gäste: Laura Hille, M.A. (ICAM/DCRL), Christian Voller, M.A. (ICAM), Christoph Görlich, M.A. (ICAM) Leuphana Universität Lüneburg

Details

Date:
27. März 2018
Time:
10:00

Venue

Ruhr-Universität Bochum | Unistr. 105 | Raum: EG 014