Anne Küper, M.A.

Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Room: GB 6/141

Phone: +49 (0) 234/32-27279
E-Mail: anne.kueper@ruhr-uni-bochum.de

Titel der Dissertation

Melancholische Intimität. Schreiben mit Chatbots 

Projektbeschreibung

Seit den 1960ern, als Joseph Weizenbaum das Computerprogramm ELIZA auf Basis von George Bernard Shaws Drama Pygmalion (1913) als Parodie einer virtuellen Gesprächstherapie entwickelte, sind Chatbots in den zeitgenössischen digitalen Kulturen allgegenwärtig. Ausgehend von der Nutzung solcher Konversationsoberflächen u.a. im Online Shopping, Customer Service, Dating und in therapeutischen Kontexten fragt das Dissertationsvorhaben danach, inwiefern durch die künstlich intelligente Kommunikation Veränderungen betreffend der Relationen zwischen Menschen, Medien und Maschinen vorliegen, und sich dahingehend Konzepte von Intimität reformulieren.

Das Projekt geht von der Beobachtung aus, dass die Wirtschaft im 21. Jahrhundert nicht mehr bloß einer von vielen Momenten des gesellschaftlichen Lebens ist, sondern sie geläufige Praktiken des Wissens, Fühlens, Produzierens und Konsumierens sowie die Subjekte selbst zersetzt (Illousz). Unternehmen haben ein reges Interesse daran entwickelt, Kund*innen an sich zu binden und Eindrücke von Intimität herzustellen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie diesem Interesse in den letzten Jahren vermehrt über den systematischen Einsatz von textbasierten Dialogsystemen nachgehen, der simpelsten Form des Natural Language Processing. Das Dissertationsvorhaben erforscht, ob aus dem massenhaften Gebrauch möglicherweise neue Praktiken von Annäherung, Vertrauen und Distanznahme hervorgehen, in denen sich eine Kultur der Inszenierung – oder auch Kultur als Inszenierung (Fischer-Lichte) – zeigt.

Es mangelt nicht an Analysen von Verwendungen des Affektiven in der Jetztzeit; das geplante Projekt allerdings will (1) Intimität und ihr situativ-dialogisches Moment ins Zentrum der Betrachtung stellen, (2) Intimität als performative Praxis verstehen, die maßgeblich Konstellationen zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Akteuren im Postfordismus konfiguriert, und (3) Intimität in einen Zusammenhang mit dem Projekt einer intimen Ästhetik stellen, wie es Marianne Streisand in ihren Studien zur Begriffsgeschichte aus dem Jahr 2001 vorschlägt, d.h. Intimität als Frage theatraler Darstellung begreifen, die sowohl das Verständnis eines angemessenen (Sprach-)Handelns voraussetzt als auch spezifische Texte und Spielweisen hervorbringt.

Das Dissertationsvorhaben nimmt dies insofern in den Blick, als es zeitgenössische Verwendungen solcher kommunikativen, beziehungsstiftenden Codes ausgehend von Chatbots als exzessivsten Textproduzierenden der Gegenwart untersucht und die Dokumente eben jener Interaktionen im geteilten Schrift-, Handlungs- und Bühnenraum des Chats in einen wissenschaftlichen Diskurs überführt. Das dialogische Moment dieser Intimate Encounters mitsamt der ihnen inhärenten Prozesse des Sich-Ähnlich-Machens und Ähnlich-Werdens betont zum einen die Beteiligung mehr-als-menschlicher Akteure an der Theoriebildung; zum anderen macht es zugleich die Forscherin selbst sichtbar, die als Fragende, Antwortende, Schreibende, Lesende, Rätselnde und Erkennende im Material auftritt, in das sie sich einschreibt oder von außen hineingelesen wird, und das eventuell erst dadurch den Status des Dokuments erhält.

Wissenschaftlicher Werdegang
  • 10/2025 – 03/2026: Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
  • 07/2024 – 08/2024: Graduate Visiting Research Student am Digital Democracies Institute, Simon Fraser University (CA).
  • 10/2022 – 03/2026: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg 2132 „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, Ruhr-Universität Bochum; Forschungs- und Archivaufenthalte in Vancouver, BC (CA), Cambridge, MA (US) und London (UK) im Rahmen des Dissertationsprojekts.
  • 03/2022 – 09/2022: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 10/2021: Wissenschaftliche Hilfskraft im Drittmittelprojekt mit Book Sprint „Live Art Data. New Strategies in Theatre Archiving“, Schottland-Initiative des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Kooperation der University of Glasgow (UK), Stiftung Universität Hildesheim und Hochschule Osnabrück.
  • 04/2019 – 07/2021: Studentische Hilfskraft für das Dissertationsprojekt „De-Montage im zeitgenössischen Theater: Ein dramaturgisches Verfahren im Spannungsfeld von Widerstand und Affirmation“, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 10/2018 – 02/2022: Master of Arts „Inszenierung der Künste und der Medien“, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 04/2017 – 02/2022: Studentische Hilfskraft mit Lehrtätigkeit bei Tim Staffel, Ekaterina Trachsel und Julia Kerk, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 10/2014 – 02/2019: Bachelor of Arts „Szenische Künste“, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 10/2013 – 09/2014: Bachelor of Arts „Theaterwissenschaft“ und „Philosophie“, Ruhr-Universität Bochum.

Publikationen (Auswahl)
  • 404 Not Found. Documentary Technologies and Techniques at the Limits of Media (hg. mit Lena Demary, Anna Grelik, Anne Hemkendreis, Ying Sze Pek, Catherin Persing). Bielefeld: Transcript 2027 (im Erscheinen, open access).
  • Situiertes Forschen und Schreiben. Ein Arbeitsbuch (hg. mit Rose Beermann, Katharina Menschick, Paulena Müller, Hannah Schmedes, Amelie Wedel). Bielefeld: Transcript 2026 (im Erscheinen, open access).
  • „Zeigen, zerlegen, zuneigen, zerstören. Playgrounding als Methode der Entfremdung“ (mit Anna Krauß), in: Jamila Arenz, Veronika Darian, Jessica Hölzl (Hg.): RE/VERSIONEN. Künstlerische und wissenschaftliche Verfahren der Un/Eindeutigkeit. Berlin: Neofelis 2024, S. 51-56 (open access). 

Weitere publizistische Tätigkeit

Lehre
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • WS 2025/26: Seminar „Großer Bruder, du bist immer da: Nineteen Eighty-Four“. 

Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Stiftung Universität Hildesheim
  • SS 2022: Projektseminar „Den Zeitsprung filmen: Rückblicke“. 
  • WS 2021/22: Übung „SHOW-MUTATIONEN“ (mit Tim Steinheimer).
  • SS 2021: Projektseminar „Große Erwartungen, große Einlassungen, große Enttäuschungen“ (mit Julia Kerk, Constanze Böhm, Vanessa Flesch).
  • WS 2020/21: Workshop „Starting Point Theater” (mit Julia Kerk).
  • SS 2020: Seminar „Hart am Wind 2020“ (mit Andreas Wolfsteiner, online).
  • SS 2020: Übung „Hart am Wind 2020“ (mit Andreas Wolfsteiner, online).
  • SS 2019: Übung „TheaterZentrale: Grundlagen des szenischen Arbeitens“. 
  • WS 2018/19: Übung „TheaterZentrale: Einführung in das szenische Spiel“ (mit Julia Kerk). 
  • SS 2017: Projektseminar „Woodstock, Vietnam“ (mit Tim Staffel).  

Weitere Lehrerfahrungen
  • Seminar „Chatbotting“, Bildungsangebot der Freiwilligendienste Kultur und Bildung, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V., 18.-20.03.2026 (online).
  • Seminar „Wer hat Angst vor Chatbots?“, Bildungsangebot der Freiwilligendienste Kultur und Bildung, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V., 16.-18.12.2024 (online).
  • Seminar „Chatbots und Formen künstlicher Intelligenz“, Bildungsangebot der Freiwilligendienste Kultur und Bildung, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V., 08.-10.01.2024 (online).
  • Digitales Reflexionsformat für internationale Studierende „Bring it to the Runway: A C(h)atwalk“, Campus-Programm des Performing Arts Festival Berlin, 26.-29.05.2021 (online).
  • Workshop „Come together, right now. Strategies of participation in contemporary performance-theatre“ (mit Thilo Grawe und Helena Köster), Festival International de Théâtre Universitaire, Casablanca (MA), 01.-08.07.2018.

Organisation von wissenschaftlichen Veranstaltungen (Auswahl)
  • Internationale Abschlusstagung „404 Not Found. Documentary Ends“ des DFG-Graduiertenkollegs 2132 „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ u.a. mit Wendy Hui Kyong Chun und Amanda Lagerkvist, Kunstmuseum Bochum, 08.-10.05.2025 (organisiert mit Franziska Barth, Lena Demary, Anna Grelik, Anne Hemkendreis, Katharina Król, Ying Sze Pek, Catherin Persing, Lana Uzarashvili).
  • Vortrag und Workshop „Klassismus und Academia. Forschung, Lehre, Biografie“ mit Francis Seeck, Kooperationsveranstaltung des DFG-Graduiertenkollegs 2132 „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ und des DFG-Sonderforschungsbereichs 1567 „Virtuelle Lebenswelten“ im Rahmen der Reihe „DOCareer – Networking Geisteswissenschaften“, Ruhr-Universität Bochum, 07.-08.11.2024 (organisiert mit Philipp Hohmann).
  • Talk und Workshop „Rest – Fragment – Dokument. Zwischenräume des Übrig-Werdens” mit Markus Krajewski, Hanna Engelmeier und Nathalie Bäschlin, Kunstmuseum Bochum / Ruhr-Universität Bochum, 18.-19.04.2024 (organisiert mit Franziska Barth und Lena Demary).
  • Workshopreihe „Situiertes Forschen und Schreiben“ mit Kathrin Busch, Isabel Mehl und Oona Lochner, Ruhr-Universität Bochum, SS 2023 (organisiert mit Rose Beermann, Katharina Menschick, Paulena Müller, Hannah Schmedes, Amelie Wedel).

Mitgliedschaften, Jurytätigkeiten, ehrenamtliches Engagement

Preise, Stipendien, Förderungen (Auswahl)
  • 2025: AICA-Preis für Junge Kunstkritik.
  • 07/2024 – 10/2024: Drittmittelförderung „Project International“ (PR.INT), unterstützt durch die Ruhr-Universität Research School, finanziert durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder (DFG GSC 98/3). 
  • 2024: Förderprogramm „west off – Theaternetzwerk Rheinland“ mit der Inszenierung Einmal mit Profis arbeiten, finanziert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Kulturämter der Städte Bonn, Düsseldorf und Köln.
  • 2023: Preis der Bürgerstiftung Hildesheim für die Inszenierung all the moves we make in the dark.
  • 2022: Förderprogramm „Coming Out“ mit der Inszenierung BITE ME, finanziert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stiftung Niedersachsen und die Stadt Hildesheim.  
  • 2021: Auszeichnung „Kultur- und Kreativpilot*innen“ für The Showmasters im Auftrag der Deutschen Bundesregierung.
  • 10/2019 – 03/2021: Deutschlandstipendium, Stiftung Universität Hildesheim.
  • 2019: Deutscher Multimediapreis für die Inszenierung Let’s Play Showmasters.
  • 10/2017 – 09/2018: Stipendium des Minerva-Kollegs, Stiftung Universität Hildesheim.

Künstlerische Praxis

Anne Küper ist freiberuflich als Regisseurin, Dramaturgin, Autorin und Performerin tätig. In verschiedenen Konstellationen produziert sie Arbeiten zwischen Theater und Performance im Stadt- und Staatstheater und in der Freien Szene, beispielsweise mit Hanni&Anni (mit Hannah Brown), taft. (mit Thilo Grawe, Friederike Hänsel, Jasmin Keller, Antonia Rehfueß) und dem Medienkollektiv The Showmasters. Inszenierungen, an denen sie beteiligt war, wurden bislang am FFT Düsseldorf, Theater Bremen, Schauspiel Hannover, Junges Schauspielhaus Bochum, LOT-Theater Braunschweig, Landungsbrücken Frankfurt und Theaterhaus Hildesheim gezeigt sowie zu zahlreichen Festivals im deutschsprachigen Raum wie dem Körber Studio Junge Regie, flausen+BANDEN!-Festival performativer Künste, Internationales Performing Arts Festival OUTNOW!, ARENA – Festival der jungen Künste und dem Treffen deutschsprachiger Dramaturgiestudierender eingeladen. Für ihre künstlerischen Projekte hat sie kontinuierlich erfolgreich Fördergelder eingeworben.