{"id":10561,"date":"2023-09-21T17:05:19","date_gmt":"2023-09-21T15:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/das-dokumentarische.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=10561"},"modified":"2024-10-02T10:52:54","modified_gmt":"2024-10-02T08:52:54","slug":"ringvorlesung-das-dokumentarische-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/das-dokumentarische.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/en\/ringvorlesung-das-dokumentarische-v\/","title":{"rendered":"Ringvorlesung &#8220;Das Dokumentarische V&#8221; im WiSe 2023\/24"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Graduiertenkolleg veranstaltet im Wintersemester seine nunmehr f\u00fcnfte Ringvorlesung. Diese wird insgesamt siebenmal donnerstags von 10 bis 12 Uhr in den R\u00e4umlichkeiten der Universit\u00e4tsstra\u00dfe 105 in Raum Uni 105, EG 0\/14 stattfinden. Weitere Informationen zu den einzelnen Vortr\u00e4gen finden sich untenstehend. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Vortr\u00e4ge von Paulena M\u00fcller und Lisa R\u00f6mer am 11.01.2024 finden wegen des Bahnstreiks in hybrider Form statt. Der Zoom-Link findet sich <a href=\"https:\/\/ruhr-uni-bochum.zoom.us\/j\/62329633415?pwd=SUZweVpnbUpTamVlbXR2QXAvTHg2QT09\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Veranstaltungsinfo:<\/h4>\n\n\n\n<p>Das an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum angesiedelte DFG-Graduiertenkolleg \u201eDas Dokumenatsrische. Exzess und Entzug\u201c behandelt \u2013 seit seinem Bestehen im Jahr 2016 \u2013 das Dokumentarische als eine zentrale Komponente zeitgen\u00f6ssischer Medienkulturen. In der zweiten F\u00f6rderphase des Kollegs, die im April 2021 gestartet ist, wird insbesondere ein Konzept des <em>Dokumentwerdens<\/em> entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die interdisziplin\u00e4ren Forschungsarbeiten des Kollegs aus den Bereichen Medienwissenschaft, Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte lassen sich dabei alle von der These leiten, dass die spezifische Autorit\u00e4t des Dokumentarischen durch die Untersuchung der Operationen beschreibbar wird, die im Rahmen unterschiedlicher Institutionen und Praktiken auf je spezifische Weise bild-, text- und tonmediale Elemente so arrangieren, dass diese die Lesbarkeit, den Aussagewert, die Distributionslogiken und die Machtwirkungen des Dokumentierten steuern. Entgegen einer einflussreichen Theorietradition beschr\u00e4nkt das Forschungsprogramm seine Perspektive in diesem Sinne explizit nicht auf den visuellen Modus des Dokumentarischen und privilegiert auch nicht ein bestimmtes (etwa filmisches) Medium. In den Forschungsprojekten stehen vielmehr h\u00f6chst diverse Gegenst\u00e4nde im Fokus, die in wechselseitige Beglaubigungsverh\u00e4ltnisse eintreten k\u00f6nnen, um einen dokumentarischen Effekt zu produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nunmehr f\u00fcnfte Ringvorlesung des Kollegs soll erneut dazu dienen, zentrale Forschungsergebnisse zu pr\u00e4sentieren und dar\u00fcber mit Hochschulangeh\u00f6rigen aus allen Fachrichtungen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Neben den Doktorand_innen der mittlerweile dritten Generation, kommen hier auch die aktuellen Post-Doktorand_innen sowie die am Kolleg beteiligten Professor_innen und Forschungsstudierende zu Wort. Zudem wird viel Zeit f\u00fcr gemeinsame Diskussionen eingeplant, an denen sich alle Anwesenden beteiligen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Studierende haben die M\u00f6glichkeit, einen (unbenoteten) Teilnahmeschein zu erwerben. Neben der regelm\u00e4\u00dfigen Anwesenheit und Diskussionsbereitschaft sollen f\u00fcr die erfolgreiche Teilnahme vier kurze \u201eDokumentationskarten\u201c verfasst werden (jeweils 1-2 Seiten, gerne geb\u00fcndelt als PDF per E-Mail an <a href=\"mailto:das-dokumentarische@rub.de\"><strong>das-dokumentarische@rub.de<\/strong><\/a> bis sp\u00e4testens zum 31. M\u00e4rz 2024). Auf diesen \u201eDokumentationskarten\u201c sollen jeweils ein Vortrag pointiert zusammengefasst und zudem zwei bis drei weiterf\u00fchrende Fragen formuliert werden. Master-Studierende m\u00fcssen zudem zus\u00e4tzlich noch ein ca. f\u00fcnfseitiges Essay einreichen (ebenfalls per E-Mail), in dem einer der dokumentierten Vortr\u00e4ge sowie die daran anschlie\u00dfende Diskussion ausf\u00fchrlicher dargestellt und die Thematik eigenst\u00e4ndig weitergedacht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltung soll als reine Pr\u00e4senz-Veranstaltung im dem Geb\u00e4ude Universit\u00e4tsstra\u00dfe 105 (Raum EG014) stattfinden, in dem auch das Kolleg angesiedelt ist. Das Geb\u00e4ude liegt auf halbem Weg zwischen den U35-Haltestellen \u201eOskar-Hoffman-Str\u201c und \u201eWaldring\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Programm der Vorlesung:<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>02.11.2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">FRIEDRICH BALKE<\/mark><\/strong><br><em><strong>&#8220;<strong><em>Solche Schuhe w\u00fcrde ich meinem Typen kaufen.&#8221; Slum\u00f6kologie und das Gel\u00e4chter der infa<\/em>men Menschen<\/strong><\/strong><\/em><br>Moderation: Lisa R\u00f6mer<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cc7b\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cc7b\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Im Zentrum des Vortrags steht die Idee infamer Archive, die Eindr\u00fccke erzeugen, \u201evon denen man sagen kann, da\u00df sie \u201aphysisch\u2018 sind\u201c (Foucault). Im Anschluss an die Zur\u00fcckweisung der akademischen Konzepte des Archivs und seiner Zurichtung als Wissensressource zugunsten dessen, was Julietta Singh das \u201eK\u00f6rper-Archiv\u201c nennt, sollen Formen des archivbezogenen Schreibens untersucht werden, die nicht aus der sicheren Distanz des Historikers praktiziert werden, sondern auf Techniken der Inkorporierung beruhen: \u201eEin kleiner Akt, einen anderen K\u00f6rper in den eigenen aufzunehmen\u201c, so lie\u00dfe sich mit Singh die infame Operation eines anderen Archivschreibens kennzeichnen. Die infamen Leben, die in Foucaults ber\u00fchmtem Essay auftreten, lassen sich nicht auf den Status von Dokumenten reduzieren, denn aus dem \u201eSchock\u201c der wenigen \u00fcberlieferten W\u00f6rter, die von ihnen handeln, entsteht \u201ef\u00fcr uns immer noch ein Effekt von Sch\u00f6nheit und Schauer\u201c.  Saidiya Hartman nimmt diesen Impuls auf, wenn sie in ihren Arbeiten zum Archiv der transatlantischen Sklaverei und deren Nachleben in den Slums und Ghettos ihrerseits eine \u201eschreckliche Sch\u00f6nheit\u201c und ein \u201eintimes Leben\u201c ausmacht, die sich den Blicken und Kategorien der Slum\u00f6kologen, ihren Aufschreibesystemen und technischen Medien entziehen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">KATHARINA MENSCHICK<\/mark><\/strong><br><em><strong>In Anbetracht der Stille \u2013 Gewalt und Leerstellen in Dokumenten nationalsozialistischer Verfolgung<\/strong><\/em><br>Moderation: Lisa R\u00f6mer<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25ccd6\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25ccd6\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Ausgehend von einem Amateurfilm, in dem Menschen zu sehen sind, die im Nationalsozialismus als Rom:nja und Sinti:zze verfolgt und h\u00f6chstwahrscheinlich im M\u00e4rz 1943 \u2013 kurz nach der Entstehung der Filmaufnahmen \u2013 deportiert und ermordet wurden, widmet sich der Vortrag Fragen zu Leerstellen und Gewalt in den archivischen \u00dcberlieferungen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dokumente aus der Perspektive der Verfolgung dominieren die offiziellen Archive, w\u00e4hrend die Stimmen der Betroffenen allergr\u00f6\u00dftenteils fehlen. Entlang des Films, seines Nachlebens und archivischer Recherchen dazu sollen im Dialog mit Arbeiten von Tina M. Campt, Saidiya Hartman und Georges Didi-Huberman Betrachtungsweisen entwickelt werden, die \u201edar\u00fcber hinausgehen, nur die Gewalt nachzuerz\u00e4hlen, die diese Spuren im Archiv hinterlegt hat\u201c (Saidiya Hartmann, Venus in Two Acts, \u00fcbers. v. Yasemin Din\u00e7er) und sich an die Seite Jener stellen, deren Leben und Leiden in ihnen aufgezeichnet wurde.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>23.11.2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">MONIKA SCHMITZ-EMANS<\/mark><\/strong><br><em><strong>Oberfl\u00e4chen, Schriften, Namen. Zu Archiv und Memoria bei Maria Stepanova, <\/strong><\/em><strong>Nach dem Ged\u00e4chtnis<\/strong><em><strong> (2018, im Orig. russisch: <\/strong><\/em><strong>Pamjati, pamjati<\/strong><em><strong>, 2017)  <\/strong><\/em><br>Moderation: Robin Schrade<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cd02\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cd02\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Die russische Autorin Maria Stepanova nimmt die Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Tante Galja zum Anlass der Recherchen \u00fcber die Geschichte ihrer verzweigten Familie:<br \/>\nTexttr\u00e4ger, Fotos, Briefe, Dokumente, weitere Materialien zur Familiengeschichte, aber auch Gegenst\u00e4nde des Alltags und andere Objekte. Sie behandelt und nutzt das Vorgefundene als ein Archiv, erweitert ihr pers\u00f6nliches familiengeschichtliches Archiv aber auch um andere Dokumente, Bilder, Objekte, nicht zuletzt auf Reisen an familiengeschichtlich relevante Orte und durch Gespr\u00e4che mit Verwandten. Das erz\u00e4hlende Ich verwandelt durch sein Schreiben Angesammeltes in eine Sammlung von Erinnerungsst\u00fccken. Es \u201asammelt\u2019 anl\u00e4sslich der Befassung mit Familiengeschichtlichem auch sich selbst. Komplement\u00e4r zur Konstitution von Sammlungen verlaufen Dispersionsprozesse; gerade aufgel\u00f6ste Haushalte erinnern auch daran. Stepanovas Vorgehen bei der erz\u00e4hlenden Rekonstruktion der Familiengeschichte verbindet sich mit Reflexionen \u00fcber das eigene Tun. Dies gibt Anlass, den Begriff des Archivs auf seine verschiedenen m\u00f6glichen Bedeutungen, seine Implikationen und seinen Zusammenhang mit Konzepten des Erinnerns zu befragen und die spezifische Leistung literarischer Darstellungsweisen als Auspr\u00e4gungsformen der Memoria zu er\u00f6rtern.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>07.12.2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">YING-SZE PEK<\/mark> <\/strong>  <br><em><strong>Hito Steyerl\u2019s Documentary Approaches in the Digital Age<\/strong><\/em><br>Moderation: Katharina Menschick<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cd27\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cd27\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Examining Hito Steyerl\u2019s video installations from the 2010s and 2020s, this lecture explores how the artist and filmmaker who maintains her \u201cfundamental approach as a documentarian\u201d might pose critical interventions under digital racial capitalism. By studying Steyerl\u2019s deployment of successively advanced image production technologies\u2014such as image compositing, digital simulation, and next-frame prediction algorithm images\u2014as well as her purpose-built installation architectures, I posit that her work since the 2010s involves a performatively adduced digital excess that departs from conventional documentary techniques. At the crux of Steyerl\u2019s address of algorithmic rationalization and extractivization are aesthetic operations in excess of and difference to filmic and photographic documentary operations. Reflecting the reconfigured relationship between bodies, images, and reality today, Steyerl evokes a computational universe in which images and subjects alike are entangled in totalizing infrastructures. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">AMELIE WEDEL <\/mark><\/strong>  <br><em><strong><em>(Ver)St\u00f6rende Landschaften. Dokumentarische Beziehungsarbeit im \u00f6kologischen Film<\/em><\/strong><\/em><br>Moderation: Katharina Menschick<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cd4a\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cd4a\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Ausgeh\u00f6hlte B\u00f6den, kultivierte Ackerfl\u00e4chen, Wirtschaftsw\u00e4lder: Kaum ein Landstrich, der nicht von menschlichen und industriellen Aktivit\u00e4ten um-und \u00fcberformt wurde. In meinem Vortrag stelle ich entlang ausgew\u00e4hlter Filmbeispiele dokumentarische Darstellungen dieser anthropogenen Landschaften vor und frage nach den verschiedenen darin erkennbar werdenden Mensch-Natur-Beziehungen. Dabei kommen sowohl extraktivistische als auch f\u00fcrsorgliche Umgangsweisen mit \u00d6kosystemen und ihren Bewohner:innen zum Vorschein. \u00dcber Fragen der Repr\u00e4sentationen hinaus besch\u00e4ftigen mich M\u00f6glichkeiten einer kinematorgrafischen Praxis, einer Arbeit mit und durch die Kamera, die umsichtige und den Menschen de-zentrierende Zug\u00e4nge f\u00fcr ein arten\u00fcbergreifendes Zusammenleben erproben. Im Fokus stehen dabei dokumentarischen Verfahren der Beschleunigung und Verlangsamung, der Multiperspektivit\u00e4t, der St\u00f6rung und der Ungerichtetheit. Mit diesen formal\u00e4sthetischen Entscheidungen reagieren zeitgen\u00f6ssische artist films auf ein im Zeitalter des Anthropoz\u00e4ns vielfach ausgerufenes Naturparadigma (u.a. Donna Haraway, Astrida Neimanis, Anna Tsing, Zoe Todd in den environmental humanities), welches die Trennung zwischen Natur und Kultur zu \u00fcberwinden sucht.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>14.12.2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">ANNA GRELIK &amp; ROBIN SCHRADE<\/mark> <\/strong>  <br><em><strong>AI-MAPPING \/ MAPPING AI. Dokumentarische Operationen des Kartografierens<\/strong><\/em><br>Moderation: Vesna Schierbaum<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cd8b\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cd8b\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Kartografische Verfahren erleben seit Jahren eine ungebremste Konjunktur. In weiten Bereichen von Arbeitsalltag und Privatleben werden (geografische) Karten angefertigt. Hierf\u00fcr werden Daten strukturiert, visualisiert und anwendbar gemacht. Bei der Erstellung, Pflege, Darstellung und Nutzung der diversen Karten sind h\u00e4ufig komplexe digitale Systeme und Bildgebungsverfahren im Einsatz. Hierbei handelt es sich insbesondere um maschinelle Lernsysteme, Programme zur Geodatenanalyse und Bilderkennungssoftware, die oftmals als sogenannte \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c zusammengefasst werden. Sie k\u00f6nnen eingesetzt werden, um ausgehend von gigantischen Datens\u00e4tzen, \u00fcbersichtliche und zugleich flexible Maps zu verwalten, die den Anwender:innen je nach Bed\u00fcrfnis verschiedene dokumentarische Szenarien und Strukturen vor Augen f\u00fchren.<br \/>\nIn unserem Vortrag wollen wir dieses Mapping als ein dokumentarisches Verfahren er\u00f6rtern, das Welt erfasst, Wirklichkeit gestaltet und dabei selbst laufend neuen Transformationsprozessen unterworfen ist. Anhand des k\u00fcnstlerischen Projekts Asunder von Tega Brain, Bengt Sj\u00f6len und Julien Oliver und dem infografischen Forschungsprojekt Anatomy of an AI-System von Kate Crawford and Vladan Joler sowie ausgehend von Map-Applikationen Sozialer Netzwerke (wie z.B. Snap Map) wollen wir \u00fcber die Visualisierungsstrategien, die implizierten Utopien dieser weltumspannenden Infrastrukturen, aber auch \u00fcber die Grenzen und das Nicht-Darstellbare von AI-Maps nachdenken. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>11.01.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">PAULENA M\u00dcLLER <\/mark><\/strong>  <br><em><strong>Trans* <\/strong><\/em><strong>ganz privat<\/strong><em><strong>: Filmische Geschlechterpolitiken des Besuchens<\/strong><\/em><br>Moderation: Hannah Schmedes\/Philipp Hohmann<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cdad\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cdad\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Trans*Sichtbarkeit im Film steigt seit einigen Jahren bemerkenswert an. Die dadurch mit entstehende \u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichkeit von Transgeschlechtlichkeit ist ambivalent: Medial vermittelte Vorstellungen von Lebensm\u00f6glichkeiten jenseits zweigeschlechtlich normierter Zuordnungslogik k\u00f6nnen sowohl widerst\u00e4ndiges Potenzial entfalten als auch die Stigmatisierung, Ausgrenzung oder Reglementierung von Trans*Subjektivit\u00e4t erh\u00f6hen. Eine besonders brisante Rolle spielt dabei die Verhandlung der k\u00f6rperlichen Privatsph\u00e4re von Trans*Personen. Wie aber verh\u00e4lt es sich mit der Darstellung von r\u00e4umlicher Trans*Privatsph\u00e4re? Welche geschlechterpolitischen Potenziale liegen in der Dokumentation von h\u00e4uslichen R\u00e4umen als subjektive Gestaltungsr\u00e4ume f\u00fcr Trans*Personen? Welche Machtdynamiken entstehen durch das Eintreten medialer \u00d6ffentlichkeit in diese R\u00e4ume, durch den filmischen Besuch? Und wie l\u00e4sst sich ihnen begegnen? Der Vortrag geht diesen Fragen anhand zeitgen\u00f6ssischer Filmbeispiele nach und stellt dabei die \u00dcberlegung in den Mittelpunkt, inwieweit eine trans*emanzipative Sichtbarmachung h\u00e4uslicher Privatsph\u00e4re diese Privatsph\u00e4re auch gegen\u00fcber dem eintretenden Filmblick behaupten kann und muss.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">LISA R\u00d6MER<\/mark> <\/strong>  <br><em><strong>Zwischen Magie und Menstruation. K\u00f6rperlichkeit, Wissen und Kapitalismus im Kontext der Hexenverfolgung <\/strong><\/em><br>Moderation: Hannah Schmedes\/Philipp Hohmann<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cdd0\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cdd0\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Hexen sind ambivalente Figuren. Einerseits sind sie Heldinnen der Popkultur und Identifikationsfiguren feministischer Gruppierungen. Andererseits wurden sie im Europa der Fr\u00fchen Neuzeit und in einigen ehemaligen Kolonien bis heute brutal verfolgt und ermordet.<br \/>\nMit der Ambivalenz der Hexe wird sich dieser Vortrag auseinandersetzen.<br \/>\nDenn wie ist ein Sprechen \u00fcber die Hexenverfolgung und eine m\u00f6gliche (feministische) Wiederaneignung von Geschichtsschreibung m\u00f6glich, wenn doch das Archiv schweigt und es keine Quellen aus Perspektive der Verfolgten gibt? Wie kann die Geschichte von vermeintlichen Hexen erz\u00e4hlt werden, ohne die der T\u00e4ter(*innen) gewaltsam zu reproduzieren?<br \/>\nUnd welche Konsequenzen hat der systematische Mord dieser als Hexen angeklagten und marginalisierten Personen bis heute, insbesondere auf die Trias Subjekt \u2013 Wissen \u2013 Macht in einer (post-)kolonialen kapitalistischen Welt?<br \/>\nAuf diese Fragen wird der Vortrag wohl kaum Antworten liefern k\u00f6nnen. Daher soll stattdessen die Verschr\u00e4nkung von K\u00f6rperlichkeit \u2013 Wissen \u2013 Kapitalismus im Vordergrund stehen. Anhand des Beispiels der Abjektifizierung von Menstruation soll untersucht werden, wie die Ausl\u00f6schung weiblichen Wissens und die damit einhergehende Institutionalisierung von Medizin und die Geburt der Klinik anhaltende Auswirkungen auf die Abwertung weiblicher* K\u00f6rper und ihrer nat\u00fcrlichen Funktionen hat.<br \/>\nIn diesem Vortrag wird die commodity-aktivistische Ausbeutung der Hexenfigur bei gleichzeitiger feministischer Aneignung anhand des Beispiels des US-amerikanischen Periodenprodukteherstellers De Lune illustriert.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>18.01.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">VINCENT KANCANS<\/mark><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-vivid-green-cyan-color\"> <\/mark><\/strong>  <br><em><strong>Mobile Listening and Nostalgia for Lost Autonomy<\/strong><\/em><br>Moderation: Sandra Biberstein<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25cdf1\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25cdf1\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">This lecture is based on chapter 2 of my dissertation, where I revisit Shuhei Hosokawa\u2019s acclaimed research on the Walkman effect in the 1980s. Portable tape players restructured the social sphere and modulated the subjective experience of urban environments in favor of autonomy. Instead of creating \u2018lonely crowds,\u2019 mobile listening enabled a tacit form of being-together. I examine Hosokawa\u2019s reading of Lyotard vis-\u00e0-vis personal autonomy, link it to the latter\u2019s dispute with Habermas, and ask if (mobile) tape\u2019s restructuring of communication favors consensus, dissensus, or a combination of both. I also cite Werner Konitzer\u2019s media-philosophical analysis of recording technologies and his Wittgensteinian viewpoint, where technical media such as tape and tape recorders are a \u201cfundamental form of world disclosure\u201d inextricably bound to the social medium of language (Konitzer 2006). The technicity of tape differs from later platforms that prioritize immateriality, convenience over control, and an always-online paradigm. In this connection, I raise the question of nostalgia for an irretrievable, utopian \u2018past future\u2019 represented in the individual and social worlds opened by tape.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">ELISABETH VAN TREECK<\/mark><\/strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-vivid-green-cyan-color\"><strong> <\/strong>  <\/mark><br><em><strong>Akustische Denkmalpflege<\/strong><\/em><strong><em> \u2022&nbsp;Liquid&nbsp;Architecture<\/em><\/strong><br><strong><em>Olga Neuwirths <\/em>Le Encantadas<em>&nbsp;<\/em><\/strong><br>Moderation: Sandra Biberstein<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25ce14\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25ce14\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">Eine &#8220;liquid architecture&#8221; habe sie sich mit Le Encantadas o le avventure nel mare delle meraviglie f\u00fcr sechs im Raum verteilte Ensemble-Gruppen, Samples und Live-Elektronik (2014\/15) schaffen wollen, sagt Olga Neuwirth (*1968) in einem Interview. Welche kompositorischen und immersiven Strategien diesen widerspr\u00fcchlich anmutenden, konzeptionellen Gedanken als dynamischen Klangraum Gestalt annehmen lassen, dem m\u00f6chte dieser Vortrag nachgehen. Denn das Festgewordene der Architektur im Sinne einer Verfl\u00fcssigung klanglich\/klangtechnologisch zu untersp\u00fclen, dazu den Auff\u00fchrungsraum und die Facetten eines virtuellen Klangraums auch im Wechselspiel von Innen und Au\u00dfen in Bezug zu setzen \u2013 das benennt ein zentrales k\u00fcnstlerisches Interesse Neuwirths, dem sie u.a. in Kooperation mit dem Pariser IRCAM sowie inspiriert u.a. von Pierre Boulez und Luigi Nono seit den sp\u00e4ten 1980er Jahren wiederholt nachgesp\u00fcrt hat. Neben auskomponierten Raumeffekten mittels Einsatz der Ensemble-Gruppen, Live-Elektronik und Ambisonics sowie der Verwendung von field recordings aus der Inselstadt Venedig ist Le Encantadas insbesondere von der Verarbeitung raumakustischer Daten eines konkreten architektonischen Raumes gepr\u00e4gt. Angetrieben von der Idee einer &#8220;akustische Denkmalpflege&#8221; hat Neuwirth mit dem IRCAM die vom Verfall bedrohte Chiesa San Lorenzo in Venedig akustisch vermessen. Ziel war es, die Kirche als virtuellen Klangraum nicht nur andernorts auferstehen zu lassen, sondern dabei auch zu ver\u00e4ndern und mit anderen Klangraumstrategien zu kombinieren. Der analytische Zugriff auf Le Encantadas erfolgt \u00fcber die Ebenen der musikalischen Analyse, die auch eine Ann\u00e4herung an die Klangtechnologie versucht, des ph\u00e4nomenologischen Zugangs sowie des Einbezugs der diskursiven Ebene im Hinblick auf ihre rezeptionslenkende Funktion, f\u00fcr die etwa der von Herman Melvilles Erz\u00e4hlung The Encantadas or Enchanted Islands (1854)<br \/>\n\u00fcbernommene Titel bedeutsam ist.<\/p>\n<p> <\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>01.02.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">J\u00d6RN ETZOLD<\/mark><\/strong><br><em><strong>Dokumentation des Anthropophagen<\/strong><\/em><br>Moderation: Philipp Hohmann<\/p>\n\n\n<span class=\"collapseomatic \" id=\"id69decef25ce34\"  tabindex=\"0\" title=\"Vortrags-Abstract\"    >Vortrags-Abstract<\/span><div id=\"target-id69decef25ce34\" class=\"collapseomatic_content \">\n<p style=\"font-size:11pt;\">In Traurige Tropen unterscheidet Claude L\u00e9vi-Strauss zwischen zwei Formen von Gesellschaft: Kannibalistische oder anthropophage Gesellschaften versuchen, das bedrohliche Andere in sich aufzunehmen (wodurch ihre Mitglieder sich auch selbst ver\u00e4ndern). Gesellschaften der \u201eAnthropemie\u201c hingegen (aus griechisch emein, erbrechen) zielen darauf ab, es \u201eaus dem sozialen K\u00f6rper auszusto\u00dfen\u201c und \u201ezu isolieren\u201c. In diesem Sinne w\u00e4re jede beh\u00f6rdliche, rechtliche oder politische Dokumentation, die Fakten festh\u00e4lt und Personen identifiziert, dem anthropemischen Paradigma verpflichtet. Mit der Doppeldeutigkeit von genitivus subiectivus und obiectivus spielend, soll diese Vorlesung hingegen die Dokumentation des Anthropophagen untersuchen, unter R\u00fcckgriff auf Hans Staden, Michel de Montaigne, Oswald de Andrade, Darcy Ribeiro, Silvia Federici, Eduardo Viveiros de Castro und Suely Rolnik. Dabei stehen insbesondere Fragen von Recht und Gewalt im Mittelpunkt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Graduiertenkolleg veranstaltet im Wintersemester seine nunmehr f\u00fcnfte Ringvorlesung. 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